LG G6 im Hands-on: Handlich trotz Riesendisplays

28. Februar 2017, 09:18
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Der Hersteller hat die modulare Bauweise des Vorgängers wieder über Bord geworfen

Beim Mobile World Congress vor einem Jahr hat sich LG etwas getraut. Das damalige Flaggschiff G5 hat mit einem modularen Konzept neue Wege abseits der ansonsten recht einheitlichen Smartphone-Formfaktoren beschritten. Ein Jahr später ist damit aber wieder Schluss. Beim G6 hat sich der Hersteller wieder für ein herkömmliches Design entschieden: ohne austauschbaren Akku und anderen Erweiterungsmöglichkeiten. Dass es dennoch heraussticht, dafür tragen das Display und die Kamera Sorge.

Ungewöhnliches Format

Große Displays bieten zwar den Vorteil, dass sie mehr Inhalt anzeigen können. Aber das Gerät muss auch noch einigermaßen handlich bleiben. LG will das beim G6 mit einem neuen Seitenverhältnis gelöst haben. Das 5,7 Zoll große Display kommt im Format 18:9 – das macht das Smartphone sehr lang, aber auch schmal. So kann man es noch ganz gut mit einer Hand bedienen, wie sich im Hands-on zeigt. Ganz allgemein ist der Bildschirm mit QHD+-Auflösung (2.880 x 1.440 Pixel) auf den ersten Blick exzellent ausgefallen. Dafür sorgt auch, dass der Rahmen herum reduziert wurde. Ein Trend, der bei mehreren aktuellen Smartphones zu beobachten ist. Zudem unterstützt das G6 Dolby Vision und HDR10 und kann damit entsprechende Videos wiedergeben.

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Das LG G6 liegt trotz seiner Größe gut in der Hand.
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Das Display glänzt mit einer hohen Auflösung und starken Kontrasten.

Kamera

Ein Highlight des Smartphones sind auch die Kameras. Auf der Frontseite hat LG eine 5-Megapixel-Kamera mit 100-Grad-Weitwinkel verbaut. So passen auf Selfies auch mehrere Personen. Auf der Rückseite sind zwei Kameras integriert – beide bieten 13 Megapixel, eine kommt aber mit 125-Grad-Weitwinkel. Dadurch sind größere Panoramaaufnahmen möglich, ohne das Gerät schwenken zu müssen. Umschalten kann man einfach in der App. Zudem können Nutzer in einen Bereich der Aufnahme hinein zoomen.

Gut gelungen ist die Square-Kamera-Funktion. Sie nimmt quadratische Fotos auf, wenn das Gerät im Hochformat gehalten wird, wobei der Bildschirm in zwei gleich große Fotobereiche geteilt ist. Obere und untere Hälfte werden in vier verschiedenen Modi zu unterschiedlichen Zwecken genutzt. Beim Match Shot kann man zwei Fotos an einer Schnittstelle zusammenpassend aufnehmen. Beim Snap Shot wird oben das Sucherbild, unten die letzte Aufnahme zur Bearbeitung eingeblendet. Mit dem Grid Shot kann man eine Collage aus vier Fotos aufnehmen und beim Guide Shot können neue Fotos nach einem vorhandenen Bild nachgestellt werden. Features, die zwar auch Drittanbieter-Apps bieten – LGs Kamera integriert die Funktionen aber von Haus aus in der Kamera-App und bietet vor allem jenen Nutzern kreative Möglichkeiten, die gerne verspielte Schnappschüsse auf sozialen Medien teilen.

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Aufnahme mit der "normalen" Kamera ...
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... und mit der Weitwinkel-Kamera.
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Gimmick für Verspielte: Die Square-Kamera-Funktion

Design

Beim Gehäuse fallen optisch keine Besonderheiten auf. Auf der Rückseite ist der Fingerabdrucksensor verbaut, neben einem USB-C-Anschluss gibt es auch noch die klassische Kopfhörerbuchse. Mit Aluminium und Glas ist das Smartphone gegen Wasser (30 Minuten in einem Meter Tiefe) und Staub geschützt und soll laut dem Hersteller auch bei Stürzen robuster sein. Insgesamt fühlt es sich gut verarbeitet an. Allerdings war die Rückseite beim schwarzen Modell, das auf der Messe ausgestellt wurde, sehr anfällig für Fingerabdrücke. LG verspricht für die finalen Geräte eine zusätzliche Beschichtung, die das reduzieren soll. Ein Putztuch muss man hier aber wohl trotzdem mit sich führen, will man ein halbwegs ansehnliches Smartphone haben. Bei den anderen Farbvarianten Weiß und Platin fällt das weniger auf. Durch die glatte Rückseite fühlen sich die Geräte aber immer irgendwie "schmierig" an.

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Beim schwarzen Modell sieht man Fingerabdrücke sehr schnell. Laut LG soll beim finalen Gerät noch eine abweisende Schicht darüber kommen.
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Weniger anfällig für sichtbare Schlieren ist das weiße Gehäuse.

Älterer Prozessor

Wie bereits berichtet, kommt nicht Qualcomms neuer Snapdragon-Prozessor 835, sondern der ältere 821 zum Einsatz. Schnell und flüssig ist das LG G6 allemal, das zeigt sich im Hands-on auch bei der Kamera. Benchmarktests dürfte es damit aber wohl keine gewinnen. Der Akku ist, wie bereits erwähnt, nicht wie beim G5 auswechselbar. Dafür bringt er mit 3.300 mAh mehr Leistung mit. Wie lange das Smartphone mit seinem riesigen Display bei alltäglicher Nutzung Saft hat, kann aber erst nach einem ausführlicheren Test gesagt werden.

Bei der Software setzt LG auf Android 7.0 mit der angepassten Oberfläche des Smartphone-Herstellers. Erstmals steht zudem der Google Assistant zur Verfügung, den es zuvor nur auf Googles eigenen Pixel-Geräten gab. Aktiviert wird die Funktion durch "Ok, Google" oder längeres Drücken des Homebuttons.

Noch kein Preis

Display und Kamera machen das LG G6 auf den ersten Blick zu einem sehr interessanten Smartphone. Ansonsten hat der Hersteller wieder einen recht konservativen Weg eingeschlagen, für das experimentelle Design des G5 waren offenbar nicht viele Kunden bereit, so viel Geld auszugeben. Apropos Geld: Bislang hat der Hersteller weder Informationen zu Preis noch Marktstart bekannt gegeben. (Birgit Riegler aus Barcelona, 28.2.2017)

Hinweis im Sinn der redaktionellen Richtlinien: Die Reise zum Mobile World Congress erfolgte auf Einladung von Sony.

Nachlese

LG G6 vorgestellt: Doppelkamera, großes Display, alter Prozessor

LG G5: Das modulare Android-Smartphone im ersten Hands-on

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