Option zur Selbstanzeige spornt Steuersünder an

28. Februar 2017, 09:00
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Muss ein Uli Hoeneß hinter Gitter, scheucht das andere auf. Die Möglichkeit zur Selbstanzeige macht den Steuerbetrug aber attraktiver

Wien/Ingolstadt – Uli Hoeneß ist schon seit dem Vorjahr wieder ein freier Mann. Der alte und neue Präsident des FC Bayern spottet wieder über die Konkurrenz und erzählt in Interviews bereitwillig über seine Zeit im Gefängnis. 2014 war Hoeneß für eine Art Sog verantwortlich: Die Zahl der Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung stieg aufgrund der Steueraffäre in Deutschland auf fast 40.000. Im Vorjahr ging die Zahl auf bescheidene 5000 zurück.

Dass reuige Steuersünder sich selbst anzeigen können, um im Gegenzug weniger bis gar keine Strafe auszufassen, ist mittlerweile in vielen entwickelten Ländern möglich. Österreich, Kanada, Norwegen und Schweden ermöglichen neben Deutschland die straffreie Selbstanzeige (die Bedingungen wurden 2014 unter anderem in Österreich verschärft). Die USA, Frankreich oder Griechenland, haben erst in den letzten Jahren diese Möglichkeit eingeführt.

Vor- und Nachteile

Die deutsche Wirtschaftswissenschafterin Dominika Langenmayr von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt hat nun in einer Studie (die im Journal of Public Economics erscheinen wird) Daten aus Deutschland und den USA unter die Lupe genommen, um die Vor- und Nachteile zu untersuchen. Der überraschende Schluss: Steuerhinterziehung wird durch die Möglichkeit zu einer späteren Anzeige attraktiver.

Erstmals konnte sie das auch anhand der Einführung des Selbstanzeigenprogramms in den USA 2009 empirisch nachweisen. Langenmayr verglich die Einlagen amerikanischer Bürger auf Bankkonten in Offshore-Zentren, mit jenen, die Bürgern anderer Staaten zugerechnet werden. Da zeigte sich, dass die Einlagen von Amerikanern nach Einführung des Programms relativ zur Kontrollgruppe "deutlich" gestiegen sind. Dass die Menschen in anderen Ländern anders ticken, davon geht die Ökonomin nicht aus.

Liegen Länder, die auf diesen Weg setzen, damit falsch? Immerhin empfinden es durchaus auch "brave Steuerzahler" als unfair, wenn schwarze Schafe, sich freikaufen können. Unter dem Strich nicht, so Langenmayr. Die Anreize, verstecktes Vermögen offenzulegen, scheinen zu funktionieren: In den USA haben seit 2009 bis 2014 über 54.000 amerikanische Steuerzahler ihre Offshore-Konten offengelegt. Über acht Milliarden US-Dollar brachte das dem Fiskus an Zusatzeinnahmen.

Angst vor dem Auffliegen

Entscheidend sei dabei die "wahrgenommene Entdeckungswahrscheinlichkeit" . So stieg die Zahl der Selbstanzeigen stark, als Deutschland 2010 eine Steuer-CD erwarb. Die Panama Papers dürften ebenfalls Wirkung entfaltet haben. Hierzulande stieg im Vorjahr die Zahl gegenüber 2015 um zwei Prozent auf 7527.

Doch abgesehen von dem positiven Effekt für die Staatskasse, gibt es einen langfristigen Effekt: Seine schwarzen Schäfchen zu überführen beschert einem Staat immensen Verwaltungsaufwand. Selbstanzeiger haben es einfach leichter, an notwendige Informationen zu kommen. Deutsche Finanzbeamten gaben etwa an, dass sie für die Aufarbeitung eines Falls nach einer Selbstanzeige 80 Prozent weniger Arbeitszeit brauchen, als wenn der gleiche Fall anhand einer Steuer-CD aufzuarbeiten ist. (Regina Bruckner, 28.2.2017)

Die Studie von Langenmayr, Dominika (2017).Voluntary Disclosure of Evaded Taxes – Increasing Revenues, or Increasing Incentives to Evade? wird im Journal of Public Economics erscheinen.

  • Uli Hoeneß als er sich noch gegen Vorwürfe in Sachen Steuerhinterziehung zur Wehr setzte. Am Ende musste der Bayern-Präsident doch ins Gefängnis. Das schreckte andere, die es ihm gleichtaten, auf.
    foto: dpa/tobias hase

    Uli Hoeneß als er sich noch gegen Vorwürfe in Sachen Steuerhinterziehung zur Wehr setzte. Am Ende musste der Bayern-Präsident doch ins Gefängnis. Das schreckte andere, die es ihm gleichtaten, auf.

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