Fairphone 2: Android-Update und neues Kamera-Modul angekündigt

27. Februar 2017, 19:24
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Über 125.000 Geräte bisher verkauft – Gründer kritisiert Branche

Wer auf dem Mobile World Congress in Barcelona eine Pressekonferenz hält, hat meist ein neues Gerät anzukündigen. Nicht so das niederländische Smartphone-Unternehmen Fairphone. Und das ist auch der Sinn der Sache. Es gibt kein neues Modell, sondern Upgrades für das aktuelle. Denn statt der jährlich neuen Generation, die die Absatzzahlen ankurbeln soll, will man den Lebenszyklus des Smartphones so gut wie möglich verlängern.

Software- und Hardware-Upgrades

In den kommenden Wochen wird es ein Upgrade auf die vorletzte Android-Version 6.0 "Marshmallow" auf dem Fairphone 2 geben, hieß es am Montag. Dazwischen stellt man die von Google veröffentlichten Sicherheits-Updates monatlich zur Verfügung. Wichtiger aber: In den kommenden Monaten will man ein Modul-Upgrad für die Rück- und Front-Kamera auf den Markt bringen, um so Verbesserungen für das Fairphone 2 zu bringen. Die Komponenten des Smartphones können Nutzer selbst tauschen – bei iFixit kommt es so zu einem Reparatur-Index von 10 von 10 möglichen Punkten.

"Im Kongo riskieren Menschen ihr Leben in Minen, um Mineralien zu gewinnen, damit die Nutzer immer neuere und dünnere Smartphones bekommen", sagte Bas van Abel, Gründer und Chef von Fairphone in Barcelona. "Wir haben uns gefragt: Wie macht man ein Smartphone, mit dem man etwas verändern kann?". Das Unternehmen will seine Smartphones möglichst ohne Ausbeutung von Mensch und Natur produzieren und eine Bewegung für fairere Elektronik vorantreiben. Dafür wurde Fairphone bereits mit dem Umweltzeichen Blauer Engel und dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Das neue Kameramodul wird dementsprechend nicht nur in neu gekauften Geräten integriert sein. Besitzer eines Fairphone 2 können ebenfalls selbst nachrüsten.

Über 125.000 Fairphones verkauft

Nach Angaben des Unternehmens wurden bereits über 125.000 Geräte verkauft. Das liegt weit hinter jenen Zahlen, die Apple, Samsung und Co präsentieren können. Für das Start-up ist das Konzept jedoch ein Erfolg. Neben den Verkäufen im Online-Shop und bei Mobilfunkern wie T-Mobile in Österreich ist Fairphone kürzlich auch ins Geschäft mit Unternehmenskunden eingestiegen. So können Angestellte der Stadtverwaltung von Barcelona seit kurzem Fairphones als Firmenhandys wählen.

Auf dem Mobile World Congress hat das Unternehmen auch das Thema Recycling angesprochen. In aktuellen Smartphones werden die Komponenten im Gehäuse zunehmend verklebt. Das macht die Geräte zwar dünner, aber auch wesentlich schlechter recyclebar, so Gründer Van Abel. Auch wenn ein Smartphone wirklich nicht mehr reparierbar ist, will Fairphone noch einen Beitrag leisten und hat im Rahmen einer Studie ermittelt, welches der beste Weg ist, das Gerät zu recyceln um möglichst viele wiederverwertbare Materialien daraus zu erhalten. Dabei hat es sich bewährt, das Smartphone zuerst auseinanderzunehmen und die Komponenten dann sortiert einzuschmelzen. Die schlechte Nachricht: auch auf diesem Weg lässt sich das Gerät nur zu 31 Prozent wiederverwerten. Bis zum in allen Details fair produzierten und komplett recycelbaren Handy, ist es für das Start-up noch ein weiter Weg. (Birgit Riegler aus Barcelona/APA, 27.2.2017)

Hinweis im Sinn der redaktionellen Richtlinien: Die Reise zum Mobile World Congress erfolgte auf Einladung von Sony.

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    foto: standard/pichler

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