Barry Jenkins: Aus der Sozialsiedlung zum Oscar-Sieg

Kopf des Tages27. Februar 2017, 17:36
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Der Regisseur aus Miami hatte vor seinem erfolgreichen "Moonlight" nur einen abendfüllenden Film gedreht

Für Barry Jenkins gab es einen sehr persönlichen Anhaltspunkt, als er auf das Theaterstück In Moonlight Black Boys Look Blue von Tarell Alvin McCraney stieß. Seine eigene Mutter war drogensüchtig, und das Leben in der riesigen Sozialsiedlung Liberty City in Miami kannte er aus seiner Jugend. 1979 wurde er hier geboren.

Die Erfahrungen eines homosexuellen Außenseiters, die bei McCraney verarbeitet waren, inspirierten ihn zu einer Drehbuchbearbeitung, und so entstand schließlich der Film Moonlight, der in der Nacht auf Montag mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde.

Es passiert nicht oft, dass schon so früh in einer Karriere so viel zusammenpasst. Jenkins hatte davor nur einen abendfüllenden Film gemacht, Medicine for Melancholy, in dem er die Schwierigkeiten junger Afroamerikaner mit der extremen Gentrifizierung in San Francisco thematisiert hatte. Das Budget war mit 13.000 Dollar geradezu skandalös niedrig. Jenkins wusste damals aus eigener Erfahrung, wovon er erzählte.

Nach der Ausbildung an der Filmschule der Florida State University hatte er sich an der Westküste mit diversen Jobs, etwa für die Modefirma Banana Republic, über Wasser gehalten, dabei aber seit seinen ersten Kurzfilmen (zum Beispiel My Josephine, 2003) am Traum vom Filmemachen festgehalten. Mit Medicine for Melancholy, mit dem er auch darauf aufmerksam machen wollte, "wie wenig wir sind", machte er sich einen Namen. "Wir", damit meinte er die afroamerikanische Community in den USA.

Moonlight schrieb Jenkins in Brüssel, weil er hoffte, dort ablenkungsfrei arbeiten zu können, aber auch, weil er es seinem Vorbild James Baldwin gleichtun und nach Europa gehen wollte. Als die Finanzierung durch einen Kontakt zu der von Brad Pitt gegründeten Firma Plan B gesichert war, tat Jenkins sich mit alten Freunden von der Filmhochschule zusammen, vor allem mit Kameramann James Lawton.

"I'm slipping slowly into reflection", postete der eifrige Twitterer (@bandrybarry) am Montagmorgen nach der tumultuösen Preisverleihung, langsam werde ihm "alles ein wenig klarer". Für sein nächstes Projekt, A Contract with God, geht Jenkins von einer klassischen Graphic Novel von Will Eisner aus. Deren jüdische Figuren und die Lebenswelt der Bronx bilden einen deutlichen Gegensatz zu der Welt von Miami in Moonlight. Aber Jenkins wird auch hier einen Anhaltspunkt finden. (Bert Rebhandl, 27.2.2017)

  • Barry Jenkins ist Autor und Regisseur des Films "Moonlight".
    foto: apa/afp/jean-baptiste lacroix

    Barry Jenkins ist Autor und Regisseur des Films "Moonlight".

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