Studie: Mütter schlafen zu wenig, Väter nicht

28. Februar 2017, 09:00
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Dass kleinere Kinder beiden Elternteilen häufig den Schlaf rauben, relativiert eine US-Studie: Nur Mütter würden durch den Nachwuchs zu wenig schlafen

Erfolgreichere Schlafräuber und erbarmungslosere Wecker als Kinder sind kaum vorstellbar – vor allem in ihren ersten Lebensjahren. Um festzustellen, dass junge Eltern weniger schlafen als Kinderlose, braucht es wahrlich keine Studie mehr. Eine Gruppe von US-Forschern wollte nun aber herausfinden, wie der "Faktor Kind" isoliert betrachtet die Schlafgewohnheiten beeinflusst – im Verhältnis zu anderen potenziell schlafrelevanten Faktoren wie dem Alter der Eltern, der sozialen Herkunft, dem Bildungsstand, Beruf, Schnarchen, Body-Mass-Index oder der Sportlichkeit.

Tatsächlich zeigte sich, dass Kinder im Haushalt unabhängig von allen anderen Faktoren signifikant häufig für Schlafmangel sorgen – allerdings nur bei der Mutter und nicht beim Vater. Mit diesem Ergebnis dürften die Forscherinnen und Forscher selbst nicht gerechnet haben. So war in ihrer Befragung beispielsweise die Aufgabenteilung zwischen Vater und Mutter keinerlei Thema. Folglich können die Wissenschafter über die Hintergründe hinter diesem Ergebnis auch nur spekulieren.

Öfter wach, früher raus

"Wir haben bei Männern dieselben Daten erhoben und analysiert wie bei den Frauen – es ließen sich keinerlei Auswirkungen der Kinder auf das Schlafverhalten ihrer Väter feststellen", sagt Studienleiterin Kelly Sullivan von der Georgia Southern University in Statesboro. "Ich glaube aber, dass unsere Ergebnisse jenen Müttern, die sich erschöpft fühlen, Mut machen." Die seien mit ihrem Schlafmangel nämlich keineswegs allein: Die meisten Mütter schlafen laut der Studie regelmäßig zu wenig. Und wenn sie schlafen, wird ihr Schlaf häufiger unterbrochen als jener von kinderlosen Frauen.

Beide Effekte lassen sich mit den erhobenen Daten bei Vätern nicht belegen – die würden weder weniger noch unterbrechungsreicher schlafen als Männer ohne Kinder. "Für die Mütter zeigt die Studie nicht nur, dass sie oft zu kurz schlafen, sondern dass sie sich infolgedessen untertags häufiger übermüdet fühlen", so Sullivan. Konkret würden sich Frauen unter 45 Jahren, die mit Kindern im Haushalt leben, an 14 Tagen des Monats sehr müde fühlen. Bei kinderlosen Frauen ist das an elf Tagen pro Monat der Fall.

Jede Zweite schläft weniger als sieben Stunden

Von den Müttern unter 45 Jahren schläft nicht einmal jede zweite regelmäßig mehr als sieben Stunden pro Nacht. Bei den kinderlosen Frauen in diesem Alter trifft das auf 62 Prozent zu. Die Daten zeigen auch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass Mütter zu wenig und schlechten Schlaf abbekommen, mit jedem weiteren Kind steigt – um fast 50 Prozent.

Sullivan und ihr Team haben für ihre Untersuchung Daten von mehr als 5.800 Männern und Frauen aus allen Teilen der USA ausgewertet. Sie hatten die Probandinnen und Probanden am Telefon unter anderem nach ihren Schlafgewohnheiten und ihrer Tagesmüdigkeit befragt. Die Details der Untersuchung sollen im April bei der Jahresversammlung der Amerikanischen Akademie für Neurologie präsentiert werden. (lima, 28.2.2017)

  • Frühjahrsmüdigkeit, Sommerdurchhänger, Herbstmattigkeit oder schon Winterschlaf?
    foto: getty images/istockphoto/siphotography

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