Wir sehen womöglich ein wenig so aus, wie wir heißen

27. Februar 2017, 15:01
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Israelische Forscher: Soziale Erwartungshaltungen, die mit bestimmten Vornamen verbunden sind, beeinflussen das Aussehen

Jerusalem – Menschen ähneln optisch dem mit ihrem Namen assoziierten Erscheinungsbild – das behaupten zumindest israelische Forscher in einer aktuellen Studie. Wie die Wissenschafter im Fachmagazin "Journal of Personality and Social Psychology" berichten, konnten Versuchspersonen mit erstaunlich hoher Trefferquote unbekannten Menschen ihren richtigen Vornamen zuordnen.

Auch selbstlernende Computeralgorithmen ließen sich darauf trainieren, Gesichtern den richtigen Namen zu geben. Nach dem Prinzip einer selbsterfüllenden Prophezeiung seien es vor allem stereotype Vorstellungen von Namen, die dafür sorgten, dass eine Person sich äußerlich dem annähere, was andere erwarteten, so die Wissenschafter.

Schon Kindern wird gesagt, dass sie Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen sollen – "und dennoch tun wir es alle", so Yonat Zwebner von der Hebrew University in Jerusalem. Vom Aussehen eines Menschen schließen wir auf Charaktereigenschaften wie Intelligenz, Vertrauenswürdigkeit oder Warmherzigkeit. Die Ausgangsfrage der Studie sei gewesen: Funktioniert das auch andersherum? Beeinflusst das Urteil anderer Menschen unser Aussehen?

Kulturelle Einflüsse

Konkret untersuchten die Wissenschafter, ob der Vorname eines Menschen seine Erscheinung beeinflusst. Sie führten dazu zahlreiche Experimente durch. So legten sie hunderten Versuchspersonen Fotos und eine Auswahl von vier bis fünf Namen vor. Aufgabe war es, den passenden Namen für den Menschen auf dem Foto zu wählen. Die Probanden schafften das deutlich häufiger, als nach dem Zufallsprinzip zu erwarten gewesen wäre, nämlich je nach Experiment in 25 bis 40 Prozent der Fälle.

Die Forscher zeigten zudem, dass kulturelle Stereotype die Ergebnisse beeinflussen: Französische Testpersonen konnten französische Namen und Gesichter besser zuordnen, israelische Versuchspersonen besser hebräische Namen mit israelischen Gesichtern in Verbindung bringen. Die Forscher waren dabei bemüht, verzerrende Störfaktoren wie Ethnizität, Alter oder sozioökonomischer Status zu eliminieren.

Folgenreiche Namenswahl

Schließlich fanden die Wissenschafter heraus, dass einzelne kontrollierbare Charakteristika eines Gesichts – etwa die Frisur – ausreichten, um die Trefferquote bei der Namenszuordnung zu erhöhen. Und auch Computerprogramme konnten lernen, welche Gesichter zu welchen Namen passen. Ein Programm, das mit fast 100.000 Gesichts-Namen-Paaren trainiert wurde, erreichte bei der Zuordnung eine Trefferquote von 54 bis 64 Prozent (statt 50 Prozent).

Ein soziales Etikett wie der Name beeinflusst scheinbar unser Aussehen, fasst Mitautorin Ruth Mayo, ebenfalls von der Hebrew University, die Ergebnisse zusammen. "Von der Minute unserer Geburt an unterliegen wir einer sozialen Gestaltung, nicht nur durch Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit und sozioökonomischen Status, sondern durch den Namen, den andere für uns ausgesucht haben."

Ein Beispiel von Erstautorin Yonat Zwebner macht plausibler, wie der Effekt entsteht: "Bei einem Vornamen wie Bob imaginieren die Leute eher an rundes Gesicht als etwa bei Tim. Wir denken, dass solche Stereotype über die Zeit das Äußere von Personen beeinflussen können." (APA, red, 27.2.2017)

  • Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Vornamen und dem Aussehen (Frisur inklusive) einer Person? Experimente deuten darauf hin.
    foto: ap/alex brandon

    Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Vornamen und dem Aussehen (Frisur inklusive) einer Person? Experimente deuten darauf hin.

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