Trump lässt Mitarbeiter-Handys nach Krypto-Messengern durchsuchen

27. Februar 2017, 12:45
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Bericht: Smartphones werden unangekündigt auf Apps wie Signal und Confide geprüft – Maßnahme gegen Leaks

Die ersten Wochen der US-Präsidentschaft von Donald Trump sind turbulent verlaufen. Dieses Bild zeichnen nicht nur öffentliche Rückschläge, wie die gerichtliche Aufhebung des ersten Einwanderungserlasses oder der Rücktritt von Michael Flynn als nationaler Sicherheitsberater. Denn immer wieder dringen Informationen aus dem Umfeld des Präsidenten nach außen, die nicht das beste Licht auf Trump und sein Team werfen.

Das will die Administration nun offenbar unterbinden, berichtet Politico. Dafür greift man offenbar zu drastischen Maßnahmen. Pressechef Sean Spicer soll die Sicherheitsmaßnahmen verschärft haben. Zu diesen gehören auch nach dem Zufallsprinzip durchgeführte Checks von Mitarbeiter-Smartphones unter Aufsicht von Anwälten des Weißen Hauses.

Unangekündigter Check bei Krisensitzung

Spicer soll vergangene Woche, nachdem Informationen aus einem Planungstreffen an die Presse gelangt waren, etwa ein Dutzend der Mitarbeiter im Kommunikationsstab zu einer "Krisensitzung" in sein Büro geladen haben. Dabei beschwerte er sich über die regelmäßigen Leaks, berichtet ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter.

Zu Beginn des Meeting wurden alle geladenen Angestellten aufgefordert, ihre Handys und andere elektronische Geräte auf einem Tisch abzulegen. Spicer ermahnte die Teilnehmer, dass die Verwendung von verschlüsselten Messengern wie Confide oder Signal ein Verstoß gegen den Presidential Records Act darstelle. Confide kann Nachrichten nach dem Versand automatisch löschen und verhindert auch das Anfertigen von Screenshots. Signal wurde unter anderem von Whistleblower Edward Snowden als sichere Kommunikationslösung empfohlen.

Wirkungslose Drohung an Leaker

Weiters soll Spicer "Probleme" angekündigt haben, sollte sein Vorgehen öffentlich gemacht werden. Eine Drohung, die ihre Wirkung offenbar verfehlt hat. Und das nicht zum ersten Mal: Die Rechtsabteilung des Außenministeriums verschickte vor einiger Zeit ein internes vierseitiges Memo hinsichtlich der Leak-Problematik, das kurz darauf von der "Washington Post" veröffentlicht wurde.

Die Stimmung in der Kommunikationsabteilung des Weißen Hauses soll mittlerweile sehr angespannt sein. Berichtet wird von heftigen, verbalen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen von Trumps Mitarbeiterstab. Trump selbst soll mittlerweile verärgert darüber sein, dass die Leaks in den Medien oft prominenter vorkommen als seine eigenen Aussagen und Ankündigungen – was auch der Grund für seine umstrittene, allein abgehaltene Pressekonferenz vor einer Woche gewesen sein soll.

Hoffnung auf Dubke

Ein Neuzugang könnte dem Weißen Haus künftig zu mehr Ruhe in der Presseabteilung verhelfen. Es sollen Gespräche mit Michael Dubke laufen, dem viel organisatorisches Talent bescheinigt wird. Doch auch gegen ihn soll sich interner Widerstand regen, diesmal allerdings von Getreuen des Präsidenten. Denn Dubke steht dem Parteiestablishment nahe und hatte im Wahlkampf darauf verzichtet, sich offen für Trump auszusprechen.

Der US-Präsident befindet sich schon länger auf einem Feldzug gegen die Presse. Zuletzt lud er mehrere kritische Medien von einer Pressekonferenz aus und sagte seine Teilnahme am jährlichen Korrespondenten-Dinner ab. (red, 27.02.2017)

  • Mitarbeiter des Kommunikationsstabs im Weißen Haus müssen nun jederzeit mit Smartphone-Checks rechnen, schreibt "Politico".
    foto: ap

    Mitarbeiter des Kommunikationsstabs im Weißen Haus müssen nun jederzeit mit Smartphone-Checks rechnen, schreibt "Politico".

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