Südkorea wirft Nordkorea Mord an Kim Jong-nam vor

27. Februar 2017, 15:25
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Ministerium für Staatssicherheit und Außenministerium sollen Giftanschlag organisiert haben

Seoul – Der südkoreanische Geheimdienst ist nach Angaben von Abgeordneten überzeugt, dass die Regierung Nordkoreas hinter dem Mord am Halbbruder des dortigen Machthabers Kim Jong-un steckt. Das Ministerium für Staatssicherheit und das Außenministerium Nordkoreas hätten den Giftanschlag organisiert, sagten die Abgeordneten am Montag nach einer Unterrichtung durch den Geheimdienst. Es gebe acht nordkoreanische Verdächtige, von denen sechs Mitarbeiter der beiden Ministerien seien.

Kim Jong-nam wurde am 13. Februar auf dem Internationalen Flughafen von Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur getötet. Nach Angaben der Polizei verwendeten die Täter das Nervengift VX. Kim lebte mit seiner Familie in Macau unter dem Schutz der chinesischen Regierung. Er hatte sich kritisch über die Familiendynastie in seiner Heimat geäußert. Südkoreanischen Regierungskreisen zufolge erteilte Nordkoreas Machthaber bereits vor Jahren den Auftrag zur Ermordung seines älteren Halbbruders. Nordkorea hat bislang nicht bestätigt, dass es sich bei dem Toten um Kim Jong-nam handelt.

Sorge um Nordkoreas Botschafter in Prag

Laut südkoreanischen Medienberichten befürchtet Tschechien nach dem Mord des Halbbruders von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un in Malaysia, ebenfalls Schauplatz eines Attentats zu werden. Der nordkoreanische Botschafter in Prag, Kim Pjong-il, könnte als Onkel des Diktators in Pjöngjang ein "weiteres mörderisches Ziel" sein, so die Sorge des tschechischen Geheimdiensts laut dem Blatt "Dogon-a Ilbo".

Tschechien sei "voller Sorge", schreibt das südkoreanische Blatt, aus dem tschechische Medien am Montag zitierten. Tschechien habe wegen seiner kommunistischen Vergangenheit einen "mächtigen Nachrichtendienst", der Kim Pjong-il große Aufmerksamkeit schenke. Jedes Mal, wenn er zu einem Treffen gehe, kontrolliere der Nachrichtendienst die Aktivitäten um ihn, so die südkoreanische Zeitung unter Berufung auf einen nicht genannten südkoreanischen Diplomaten.

Kim Pjong-il zeigt sich laut der Zeitung seit seinem Antritt in Prag 2015 nur selten in der Öffentlichkeit Es gebe nur wenige andere Botschafter, die mit ihm zusammengekommen seien. Offenbar bewege er sich in Prag im Grunde genommen nur zwischen seiner Residenz und der Botschaft.

Laut den Medienspekulationen könnte Kim Pjong-il eine politische Gefahr für das nordkoreanische Regime darstellen, auch weil er seinem Vater, dem Staatsgründer Kim Il-sung, physisch sehr ähnlich sehe. Außerdem hätten Kim Pjong-il und der ermordete Kim Jong-nam eines gemeinsam: ihre Mütter seien nicht legitime Ehefrauen ihrer Väter gewesen, so die Spekulationen.

Die tschechischen Behörden dementierten die Berichte über eine erhöhte Besorgnis. Es seien keine Sondermaßnahmen um die nordkoreanische Botschaft getroffen worden. "Wir haben keine Informationen über irgendeine Gefahr", sagte die Sprecherin des tschechischen Polizei-Präsidiums, Iveta Martinkova, gegenüber dem Nachrichtenserver "iDnes.cz". (APA/Reuters, 27.2.2017)

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