Umfrage: Arbeitnehmer brauchen Zweitjob zum Leben

27. Februar 2017, 14:33
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In Europa sind 70 Prozent auf ein zusätzliches Einkommen angewiesen – in Österreich 85 Prozent, zeigt eine nicht-repräsentative Umfrage

Sind Sie auf mehr als einen Job zum Leben angewiesen?, fragte die Jobsuchmaschine Jobswype 1405 User aus zehn europäischen Ländern. Die meisten (über 70 Prozent) antworteten mit Ja. Teilzeitstellen und steigende Lebenserhaltungskosten können Ursachen sein. In Österreich gehen laut der nicht-repräsentativen Umfrage rund 85 Prozent einer zweiten Betätigung nach.

Besonders viele mit zwei Jobs gibt es in Ungarn (91 Prozent). Im Ranking folgen Rumänien (92 Prozent), UK (86 Prozent), Irland (84 Prozent). Österreich, Schweiz und Polen liegen mit 85 Prozent gleichauf – gefolgt vom Nachbarland Slowakei (82 Prozent). Deutschland reiht sich mit 81 Prozent ein. Der "niedrigste" Wert wurde mit 77 Prozent für Tschechien erhoben. Jobswype schlussfolgert aus den erhobenen Daten: Die Tendenz zum Zweitjob ist generell hoch.

Gründe für Zweitjobs

Die Gründe, die die Arbeitnehmer dazu führen, mehrere Einnahmequellen zu nutzen, seien vielfältig. Laut einer Studie zwei deutscher Soziologinnen zu diesem Thema, nehmen sich vor allem solche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Zweitjob, die hauptberuflich nur in Teilzeit arbeiten.

Geschlechterungleichheit gehört demnach ebenfalls zu den möglichen Gründen für Zweitjobs: Frauen sind eher auf solche angewiesen. Sei es, weil sie hauptberuflich weniger verdienen als Männer oder weil sie als Alleinerziehende höhere Ausgaben haben, während Männer mit Zweitbeschäftigung eher zu den Besserverdienern gehören.

Situation in Österreich

Zweit- und Drittjobs haben offenbar vor allem Arbeitnehmer in Branchen wie Erziehung, Unterricht und Forschung – also in Arbeitsfeldern, die traditionell auf Teilzeit-Modelle setzen. Die niedrigeren Gehälter in den neuen EU-Ländern – bei praktisch identischen Kosten für Lebensmittel und sonstige Markenware – würden ebenfalls dazu beitragen, dass deren Bevölkerung sich ihr Einkommen mit Nebenjobs aufbessern.

In Österreich, so der Hauptverband der Sozialversicherungsträger, ist die Zahl der geringfügigen Jobs seit dem Jahr 2000 um 75 Prozent gestiegen, die Beschäftigung wuchs aber im gleichen Zeitraum nur um 16 Prozent. Diese Minijobber – Studenten, Pensionisten aber auch Erwerbstätige aller Altersschichten, schlagen sich in den Umfragewerten nieder. (red, 27.2.2017)

  • Viele können mit "nur" einem Job ihre laufenden Kosten nicht bestreiten. (Symbolfoto)
    foto: robert newald

    Viele können mit "nur" einem Job ihre laufenden Kosten nicht bestreiten. (Symbolfoto)

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