Gabriel: Lange Inhaftierung Yücels in Türkei "weder nötig noch fair"

    26. Februar 2017, 15:26
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    Deutscher Außenminister kritisiert die türkischen Behörden wegen des Umgangs mit deutsch-türkischem Journalisten

    Berlin – Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel hat die lange Inhaftierung des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel in der Türkei als unnötig und ungerecht kritisiert. "Es ist weder nötig noch fair, Deniz Yücel bis zu einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung so lange seine Freiheit zu nehmen", sagte Gabriel der "Welt am Sonntag".

    "Er hat sich ja gerade aus freien Stücken gestellt, um eine Aussage zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen machen zu können."

    Seit 14. Februar in Polizeigewahrsam

    Yücel sei seit dem 14. Februar in Polizeigewahrsam. "Das mag von der türkischen Strafprozessordnung unter den Bedingungen eines Ausnahmezustands formal erlaubt sein", sagte Gabriel. Das sei aber sehr lang. Yücel ist sowohl türkischer als auch deutscher Staatsbürger. Dem Korrespondenten werden laut Medienberichten Datenmissbrauch, Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen.

    Gemäß dem geltenden Ausnahmezustand kann die Polizei Menschen in der Türkei bis zu 14 Tage festhalten, ohne dass diese einem Richter vorgeführt werden müssen. Diese Frist läuft für Yücel am kommenden Dienstag ab.

    "Jetzt ist der Moment für die türkische Justiz, zu entscheiden, und das im Lichte der herausragenden Bedeutung unbehinderter Arbeit freier Medien", forderte Gabriel. "Wir tun weiter alles, was wir können, damit es eine gute Lösung gibt."

    Yücel über Haftbedingungen

    Über seine Anwälte beschreib Yücel in der "Welt am Sonntag" seine Haftbedingungen. Sie seien schwierig, aber: "Mir geht es ganz gut." Er teile sich mit meist ein bis zwei Mitgefangenen eine 7-Quadratmeter-Zelle. Gewalt habe er nicht erfahren oder mitbekommen. Die Polizisten seien manchmal grob im Ton, aber nicht ausfallend und im Rahmen der Vorschriften meistens auch hilfsbereit.

    In Flörsheim, der hessischen Heimatstadt des Journalisten, haben am Samstag rund 150 Fahrer mit einem Autokorso für seine Freilassung demonstriert. Er ist sowohl deutscher als auch türkischer Staatsbürger. Mit dem Korso solle ein Zeichen für Presse- und Meinungsfreiheit in der Türkei gesetzt werden, heißt es in einem Flugblatt, dass die Teilnehmer verteilten. Vor dem Start der Rundfahrt versammelten sich Hunderte Angehörige, Freunde und Unterstützer Yücels vor der Stadthalle von Flörsheim. Sie hielten Plakate und Schilder mit "Free Deniz" in die Höhe und machten ihrem Ärger in Reden Luft. Bereits am 19. Februar demonstrierten Menschen in Berlin für seine Freilassung. (APA, red, 26.2.2017)

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    • #FreeDeniz: Autokorso für Deniz Yücel vergangene Woche in Berlin.
      foto: reuters/axel schmidt

      #FreeDeniz: Autokorso für Deniz Yücel vergangene Woche in Berlin.

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