Digitale Finanz-Start-ups entdecken Vertrieb über Berater

26. Februar 2017, 11:20
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Neulingen fällt es oft schwer, Kunden zu gewinnen – Markt für "Robo Advisor" noch klein

Junge Finanzfirmen binden beim Verkauf von Geldanlageprodukten zunehmend stationäre Berater ein. Start-ups aus der Finanzbranche, sogenannte Fintechs, die bisher voll auf digitale Angebote und den Vertrieb im Internet setzten, entdecken damit traditionelle Verkaufswege.

So startet der Frankfurter Vermögensverwalter Vaamo ein Angebot mit Fokus auf Finanzberater, wie das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. "Das schafft eine Verbindung zwischen digitaler Lösung und persönlicher Finanzberatung", sagte Gründer Oliver Vins.

Automatisierte Vermögensverwaltung

Die Kooperation zielt demnach auf 37.000 freie Finanzberater in Deutschland, die die Zulassung hätten, Fonds zu verkaufen. Inklusive Versicherungsvermittler seien das etwa 200.000 Menschen. Mit Vaamo könnten diese ihren Kunden ohne großen Aufwand eine automatisierte Vermögensverwaltung bieten, die auf fixen Fonds-Portfolios basiere, sagte Vins. Viele Berater könnten digitale Lösungen nicht alleine stemmen, sähen sich aber neuen Kundenbedürfnissen ausgesetzt.

Vaamo zählt zu den rund zwei Dutzend Fintechs in Deutschland, die sogenannte Robo Advisor – automatisierte Geldanlage-Lösungen – entwickelt haben. Gegen eine relativ niedrige Pauschalgebühr bekommen Sparer dabei nach der Beantwortung weniger Fragen zur eigenen Risikoeinschätzung einfache Portfolios aus Fonds. Manche Anbieter bieten auch komplexere, aktive Börsenstrategien.

Noch wenig Interesse an Robo Advisors

Indes ist der Markt für Robo Advisor in Deutschland noch klein, während Anbieter in den USA schon Milliardensummen verwalten. Hierzulande haben Fintechs Probleme, ohne bekannte Marken Kunden zu gewinnen. Der Weg über Finanzberater und Vermittler mit ihren persönlichen Beziehungen könnte daher neue Klienten bringen. Vaamo verwaltet nach eigenen Angaben mit mehreren Tausend Kunden einen "mittleren zweistelligen Millionenbetrag".

Diese Woche hatte bereits das Frankfurter Fintech Youvestor verkündet, eine digitale Finanz-Lösung für den US-Vermögensverwalter Blackrock entwickelt zu haben. Blackrock will mit dem Instrument über Versicherungsmakler, Vermittler und Berater Gelder von Anlegern in eigene Fonds ziehen. Sparer suchen angesichts der Niedrigzinsen händeringend neue Anlagen, wenn etwa einst gut verzinste Lebensversicherungen oder Festgelder auslaufen.

Blackrock bietet über den Youvestor-Mantel mehrere Spar-Strategien mit seinen Fonds. Der US-Riese hofft auf die Kundenbeziehungen – und das Fintech mit Blackrock im Rücken auf neue Klienten. (APA, 26.02.2017)

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