Trump sagt Teilnahme am Korrespondentendinner ab

26. Februar 2017, 15:14
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Bruch mit langjähriger Tradition nach eskalierendem Streit mit Medien

Washington – US-Präsident Donald Trump hat am Samstag seine Teilnahme am traditionellen Dinner der Korrespondenten im Weißen Haus abgesagt und mit diesem Schritt mit einer jahrzehntelangen Tradition gebrochen. Die Entscheidung fiel einen Tag nach dem Ausschluss mehrerer regierungskritischer Medien von einer Presse-Unterrichtung im Weißen Haus, was Empörung unter Journalisten ausgelöst hatte.

Trump gab seine Entscheidung, nicht an dem Dinner teilzunehmen, im Kurzbotschaftendienst Twitter bekannt. Einen Grund nannte er nicht. "Bitte richtet allen gute Wünsche aus und habt einen tollen Abend", schrieb er.

Das letzte Mal, dass ein US-Präsident nicht an der Veranstaltung teilnahm, war im Jahr 1981. Damals erholte sich Amtsinhaber Ronald Reagan von einer Schussverletzung nach einem Attentat. Reagan ließ sich jedoch per Telefon zu dem Dinner zuschalten. Ex-Präsident Richard Nixon, der ein angespanntes Verhältnis zu den Medien hatte, sagte seine Teilnahme im Jahr 1972 ab.

Die Vereinigung der Korrespondenten im Weißen Haus (WHCA) erklärte, sie halte trotz Trumps Absage an der Veranstaltung fest. Sie organisiert das Dinner mit dem amtierenden Präsidenten als Ehrengast Jahr für Jahr, die Tradition reicht bis 1921 zurück.

Kritiker bemängeln, dass die Treffen eine zu große Nähe von Presse und Politik fördern. Zu den Teilnehmern gehören Journalisten, Schauspieler, Geschäftsleute und Politiker. Auch Trump war schon unter den Gästen: 2011 hatte sich der damalige Präsident Barack Obama über ihn lustig gemacht.

WHCA-Präsident Jeff Mason erklärte, bei dem Gala-Dinner am 29. April sollten "der erste Verfassungszusatz und die bedeutende Rolle unabhängiger Nachrichtenmedien in einer gesunden Republik" gefeiert werden. Zudem sollten "einige der besten Beiträge des politischen Journalismus aus dem vergangenen Jahr und die vielversprechenden Studenten gewürdigt werden, die die nächste Generation unseres Berufes repräsentieren". Die Vereinigung vergibt jedes Jahr eine Reihe von Stipendien an Journalismusstudenten.

Mehrere Medien hatten bereits zuvor ihre Teilnahme in diesem Jahr abgesagt, darunter der Verlag Conde Nast, der die Magazine "The New Yorker" und "Vanity Fair" herausgibt. Die Nachrichtenagentur Bloomberg kündigte an, eine beliebte Party im Anschluss an das Dinner nicht länger mitzuorganisieren.

Einem Bericht des Nachrichtenportals Buzzfeed zufolge erwägt auch der Sender CNN seine Absage. Die "New York Times" nimmt schon seit Jahren nicht mehr an der Veranstaltung teil, um Vorwürfen zu entgehen, ihre Journalisten stünden in zu engem Kontakt mit dem Weißen Haus.

Das Dinner der Korrespondenten im Weißen Haus ist traditionell einer der gesellschaftlichen Höhepunkte in Washington. Zahlreiche Prominente sind unter den Gästen. Im Zentrum steht normalerweise eine launige Rede des jeweiligen Amtsinhabers, die in der Regel mit viel Selbstironie gewürzt ist.

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Ex-Präsident Barack Obama beim Correspondents' Dinner 2016.

Trump hatte die US-Presse bereits im Wahlkampf regelmäßig attackiert, seit seiner Amtsübernahme haben seine Beschimpfungen noch deutlich zugenommen. Der Rechtspopulist schmähte Journalisten immer wieder als "unehrlich" und warf ihnen wiederholt vor, gefälschte Nachrichten (fake news) zu verbreiten. Zuletzt hatte er seinen Ton noch einmal verschärft und Medien in den USA als "Feinde des Volkes" bezeichnet.

In den vergangenen Tagen war der Streit mit der Presse eskaliert. Mehrere Medien, darunter der Fernsehsender CNN, die Zeitung "New York Times" und das Magazin "Politico", wurden von einer Presse-Unterrichtung im Weißen Haus ausgeschlossen. Diese Medien hatten zuletzt immer wieder kritisch über Trump und dessen rechtskonservative Regierung berichtet.

Wesentlich kleinere, aber der Regierung wohlgesonnene Medien wie das ultrarechte Portal "Breitbart News" oder das One America News Network wurden hingegen zu der Presse-Unterrichtung zugelassen.

Die WHCA protestierte "scharf" gegen das Vorgehen der Regierung. Der Vorstand werde dies mit dem Stab im Weißen Haus diskutieren, hieß es. Auch unter den Journalisten löste das Vorgehen der Regierung Empörung aus. Verschiedene Medien warnten vor einer Gefahr für die Demokratie und die Pressefreiheit. (APA, AFP, 26.2.2017)

  • Will nicht mehr mitspielen: Trump
    foto: apa/afp/saul loeb

    Will nicht mehr mitspielen: Trump

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