Regeln bei Fremdwährungskrediten werden verschärft

26. Februar 2017, 08:14
109 Postings

Die Regierung beschließt diese Woche ein Spekulationsverbot, die maximale Laufzeit für Staatskredite wird auf 100 Jahre verlängert

Wien – Die Regierung beschließt am Dienstag ein Spekulationsverbot für den Bund. Der Entwurf enthält ein "Verbot jeglicher Spekulation, wie sie beispielsweise bei derivativen Geschäften ohne Grundgeschäft vorliegt", heißt es im Ministerratsvortrag, der der APA vorliegt. Strenger wird der Bund auch bei Fremdwährungskrediten. Und die maximale Laufzeit für Staatskredite wird auf 100 Jahre verlängert.

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) schlägt vor, die Höchstgrenzen für die Prolongierung beziehungsweise Konvertierung von Finanzschulden bzw. für Kapitalforderungen aus Währungstauschverträgen zu halbieren. Auch soll der Zeitraum, für den die Bundesfinanzierungsagentur ÖBFA eine Schuldenmanagementstrategie vorzulegen hat, von einem auf vier Jahre ausgedehnt werden.

Das gesetzliche Spekulationsverbot soll in das Bundeshaushaltsgesetz 2013 integriert werden, eine Novelle des Bundesfinanzierungsgesetzes wird ebenso notwendig wie Verweisänderungen in mehreren Sozialversicherungsgesetzen. Die im Bundesfinanzierungsgesetz festgeschriebenen Grundsätze einer risikoaversen Finanzgebarung sollen nämlich auch im Bereich der Sozialversicherung sinngemäß anzuwenden sein.

Rechnungshof hinterfragt Maßnahme

Weiters wird die Möglichkeit geschaffen, dass die ÖBFA für Rechtsträger des Bundes, der Sozialversicherung und für Einheiten der Länder gebündelt Finanzdienstleistungen erbringen kann. Die maximale Laufzeit für Staatskredite wird außerdem von 70 auf 100 Jahre verlängert. Begründet wird das in den Erläuterungen zum Gesetzesentwurf unter anderem mit der verstärkten Nachfrage von Versicherungen und Pensionskassen nach langfristigen Veranlagungen. Der Rechnungshof hat in der Begutachtung dagegen die Sinnhaftigkeit der Maßnahme hinterfragt – angesichts einer durchschnittlichen Laufzeit von aktuell 8,8 Jahren.

Bei den Verhandlungen zum Finanzausgleich im Vorjahr hatte man sich auf ein einheitliches Spekulationsverbot für Bund, Länder und Gemeinden geeinigt, das bis spätestens Ende 2017 umzusetzen ist – die entsprechende legistische Umsetzung für den Bund liegt nun vor. Die Regierung will so nach mehreren Finanzskandalen auf Landesebene das Vertrauen in die Finanzpolitik zurückgewinnen. (APA, 26.2.2017)

Share if you care.