"Macht und Rebel": Watschen für die Toleranzkultur

    24. Februar 2017, 17:59
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    Ali M. Abdullah inszeniert Matias Faldbakkens Roman "Macht und Rebel" im Werk-X

    Wien – "Skandinavische Misanthropie" ist ein euphemistischer Begriff für das, was der norwegische Autor Matias Faldbakken in seiner gleichnamigen Trilogie geschrieben hat. Die Romanteile sind ab dem Jahr 2001 erschienen: The Cocka Hola Company, Macht und Rebel und Unfun. Von "Mist" bis "echter Punk" lauteten die Einschätzungen. Faldbakken will darin nichts weniger als der müden westlichen Konsenskultur mit aller Kraft eins auf die Rübe geben.

    Faldbakken (43) holt in einer selbstzerfleischend aggressiven Sprache aus gegen die "repressive Toleranzposition" westlicher Wohlstandsstaaten. Also: gegen die im Namen einer demokratisch-liberal gelähmten Gesellschaft bis hin zur Bedeutungslosigkeit verteidigte Toleranz allem und jedem gegenüber.

    Das Werk-X, Wiens erste Adresse für "literarische Amokläufe", liefert nach Teil eins und drei nun Teil zwei nach: Macht und Rebel hatte in der Regie von Ali M. Abdullah am_Donnerstag österreichische Erstaufführung (Fassung: Abdullah, Hannah Lioba Egenolf). Vor einer Hundeauslaufzone (Bühne: Renato Uz) zeigt Abdullah eine durch ihre bürgerlich-verlogene Harmoniewelt in den linksextremen Untergrund getriebene, popaffine Gang von Twentysomethings beim Sturm auf den Ist-Zustand.

    Bourgeoise Guerilla

    Abdullah macht das einzig Richtige: Die jungen Männer mit den sprechenden Namen Macht, Rebel oder Fatty auf der Suche nach einer "politischen" Position werden alle von Frauen dargestellt. Erst durch diese "Verfremdung" wird die bis zur Kriminalität frauenverachtende, antisemitische und rassistische Gangart des Buches überhaupt erst rezipierbar. Durch diese implementierte Distanz werden vor den rosaroten Jogginghosen 13-jähriger "Problemkinder" (Bettina Schwarz, Carina Werthmüller) schwingende Dildos überhaupt erst zumutbar. Dazu singt Andreas Dauböck Liebeslieder (!). Zutritt ab 18 Jahren.

    Die bourgeoise Guerilla glaubt, mit Hitlers Mein Kampf gegen die Auswüchse der Globalisierung vorgehen zu können. Diese Pointe des erschütternden Missverständnisses ist das Interessante an Faldbakkens Buch – ähnlich vermessen wie der Glaube der Wirtschaftsverlierer an einen in die Politik gewechselten Immobilientycoon. Die Inszenierung zoomt genau auf diese sprachlich ausexerzierten Kurzschlüsse, ohne sich an Bildern zu überheben. Sie behält so die Bodenhaftung, aus der sie – samt den famosen Sprachartistinnen Constanze Passin, Michaela Bilgeri und Katrin Grumeth – richtig zuschlägt. (Margarete Affenzeller, 24.2.2017)

    Bis 17. 3. Alle drei Teile in Folge am 18. 3.

    • Rebel (Constanze Passin) findet Gefallen an "Mein Kampf".
      yasmina haddad

      Rebel (Constanze Passin) findet Gefallen an "Mein Kampf".

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