Arbeitszeitflexibilisierung: Zeit für etwas Klassenkampf

Kommentar24. Februar 2017, 17:48
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Der Vorstoß der Wirtschaftskammer, die Normalarbeitszeit auf zehn Stunden zu erhöhen, ist völlig inakzeptabel

Christoph Leitl weiß, wie er es in die Medien schafft. Vor Jahren sorgte er mit seinem Sager, Österreich sei abgesandelt, für Schlagzeilen. Kurz nach der Wahl von Donald Trump in den USA präsentierte er den Slogan "Make Austria great again". Derzeit arbeitet er mit voller Kraft daran, das Gegenteil zu erreichen.

Der Vorstoß der Wirtschaftskammer, die Normalarbeitszeit auf zehn Stunden zu erhöhen und damit zigtausenden Mitarbeitern die Zuschläge für ihre Überstunden zu streichen, ist völlig inakzeptabel und hat bei Arbeitnehmervertretern völlig zu Recht für einen Aufschrei gesorgt. Warum man Überstunden erst nach zwei Jahren abrechnen soll, wie die Wirtschaft es fordert, weiß auch nur Leitl.

Der Wifo-Leiter Christoph Badelt bezeichnete die Debatte, die sich der Kammer zufolge um eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten dreht, am Freitag als das, was sie ist: einen "lohnpolitischen Konflikt". Leitl, der dem Wifo als Präsident vorsteht, wird das zunächst einmal nicht freuen. Vielleicht sorgt es aber für eine sachlichere Debatte.

Denn im Grunde ist der Vorstoß der Unternehmen völlig nachvollziehbar. Viele sind gezwungen, Woche für Woche Gesetze zu brechen, weil diese aus einer lange vergangenen Zeit stammen. Wer das schon ziemlich großartige Austria noch greater machen möchte, sollte sich aber auf den guten alten Kompromiss verlassen. Dazu lohnt es sich, die Gegenseite nicht vor den Kopf zu stoßen. (Andreas Sator, 24.2.2017)

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