ORF-Dreiteiler kein "Game of Thrones" für Arme

Ansichtssache26. Februar 2017, 10:14
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"Österreicher sind unkultiviert, bettelarm, essen rohes Fleisch, und sie stinken." Aber hallo! Was die liebreizende Herzogin von Burgund (Christa Théret) zwar aufgeregt, aber doch sehr selbstverständlich von sich gibt, ist in der Direktheit so ungewöhnlich und scharf wie der Film, in dem der Satz fällt.

foto: orf / thomas kiennast

Maximilian, ab 1. März in drei Teilen im ORF, schafft es, verstaubte Bild- und Erzähltraditionen des mitteleuropäischen öffentlich-rechtlichen Fernsehens abzuschütteln und sich mit raffiniert gewebten Spannungsbögen (Buch: Martin Ambrosch), aufregender Optik (Kamera: Thomas Kiennast) und einer das Geschehen unbarmherzig seinem Höhepunkt zutreibenden Geschichte (Regie: Andreas Prochaska) in die Oberliga seriellen Storytellings zu hieven und trotzdem nicht wie ein Game of Thrones für Arme zu wirken.

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foto: orf / thomas kiennast

Produziert haben MR-Film in Koproduktion mit Beta-Film, ZDF und ORF. Der Fernsehfonds förderte den Dreiteiler mit 3,2 Millionen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf für europäische Verhältnisse stolze 16 Millionen Euro.

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foto: orf / thomas kiennast

Die Geschichte: Der junge Maximilian (Yannis Niewöhner) soll sein abgesandeltes Reich retten, sein Vater Kaiser Friedrich (Tobias Moretti) will ihn verheiraten, ausgerechnet jene Maria von Burgund, die kein gutes Bild vom Wesen der Österreicher hat. Ihre Einschätzung stimmt aber, so sehen wir, einzig Maximilian schlägt aus der Reihe.

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foto: orf / thomas kiennast

Das weiß sie nicht, und er nicht, wie hübsch sie ist, und so lehnen sie einander zuerst von Herzen ab. Damit haben nicht nur einheimische Schergen, wie Haug von Werdenberg, gespielt von Johannes Krisch ein Problem, auch Ludwig XI. samt Gattin (Max Baisette, Sylvie Testud) spitzen auf das reiche Burgund und sind selbst in Not.

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foto: orf / thomas kiennast

Dargestellt wird das mit einem Aufgebot an gut choreografiertem Pferdegetrampel, wohlfeilen Schlachten und im Verhältnis (weil öffentlich-rechtlich) sparsamer Bettaktivität. Die Optik sticht, schon allein deshalb muss man das gesehen haben. (prie, 25.2.2017)

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foto: orf / thomas kiennast

"Maximilian. Das Spiel von Macht und Liebe" am 1., 2. und 3. März, jeweils um 20.15 Uhr in ORF 1

Interview mit Johannes Krisch zu "Maximilian" zum Nachlesen hier.

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