Nach FPÖ-Kritik: Unilektor erhielt 21.000 Spam-Mails

24. Februar 2017, 11:13
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Der Politologe Thomas Schmidinger steht wegen eines sieben Jahre alten Fotos im Visier von rechten Gruppen

Die FPÖ Vorarlberg fordert seinen Rauswurf von der FH in Dornbirn, das rechtsextreme Kollektiv anonymous.ru bombardiert seinen Posteingang mit 21.000 E-Mails: Seit ein sieben Jahre altes Foto des Unilektors Thomas Schmidinger kursiert, führen Rechte eine neue Kampagne gegen den Politologen. Auf dem Foto ist zu sehen, wie Schmidinger eine herablassende Geste am Denkmal für den verstorbenen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (FPÖ/BZÖ) macht. "Ich hätte mir gewiss viel erspart, hätte ich mich damals bei dieser Handlung nicht fotografieren lassen und das Foto auf Facebook gestellt", sagte Schmidinger den "Vorarlberger Nachrichten".

Rechtsextremes "Anonymous.ru"

Seit die Gratiszeitung "Heute" das sieben Jahre alte Foto auf ihrer Titelseite brachte, laufen im Netz nun Attacken gegen Schmidinger, der "Heute" laut eigenen Angaben "nach einigen sehr negativen Erfahrungen seit Jahren Interviews verweigert". Der neueste Angriff sind dabei die 21.000 E-Mails, die Schmidinger in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erhielt. "Du bist zu weit gegangen", heißt es in den 21.000 Nachrichten, die dem STANDARD vorliegen. Zu dem Angriff bekennt sich "Anonymous.ru", das jedoch mit dem klassischen Anonymous-Kollektiv nichts zu tun hat.

Vielmehr handelt es sich bei "Anonymous.ru" um eine rechtsextreme Initiative, die auch in enger Verbindung zur Waffenhandelsplattform "Migrantenschreck.ru" steht. Auch Anonymous.Kollektiv, das von Facebook gesperrt worden war, ist laut "Motherboard" und "Süddeutscher Zeitung" diesem Netzwerk an rechtsextremen Plattformen zuzuordnen.

Der Vorfall zeigt, wie Nutzer anonym mit relativ einfachen Mitteln unliebsame Personen sabotieren können. Der Zentrale Informatikdienst der Universität Wien will nun dafür sorgen, dass Schmidinger seinen E-Mail-Eingang wieder problemlos benutzen kann. (fsc, 24.2.2017)

  • Der E-Mail-Eingang des Unilektors wurde mit Nachrichten geflutet, um seine Arbeit zu sabotieren.
    foto: screenshot

    Der E-Mail-Eingang des Unilektors wurde mit Nachrichten geflutet, um seine Arbeit zu sabotieren.

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