Leicester feuert Welttrainer Ranieri

24. Februar 2017, 19:38
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Vereinsführung des englischen Meisters reagiert auf sportliche Krise – Lineker: "Unverzeihlich und herzzerreißend"

Leicester – Er ist eine Ikone von Leicester City, und er ist – mit mehr als 5,6 Millionen Followern – eine Ikone auf Twitter. Man kann also sagen, das Wort des ehemaligen englischen Starstürmers Gary Lineker hat Gewicht. Den Rauswurf von Trainer Claudion Ranieri beim englischen Meister hat er, natürlich auf Twitter, wie folgt kommentiert. "Nach allem, was Claudio Ranieri für Leicester City getan hat, ist es unerklärlich, unverzeihlich und herzzerreißend, ihn jetzt zu entlassen."

Ranieri (65), vor wenigen Wochen noch von der Fifa als Welttrainer des Jahres 2016 ausgezeichnet, ist seit Donnerstagabend in Leicester Geschichte. Der Italiener hatte den Verein in der Vorsaison sensationell zum Meistertitel geführt. Derzeit rangieren die seit jeher sogenannten "Foxes" mit Österreichs Ex-Teamkapitän Christian Fuchs als 17. nur noch einen Punkt vor einem Abstiegsplatz. Sie laufen Gefahr, sich als erster regierender Champion seit Manchester City 1938 aus dem Oberhaus zu verabschieden.

Ranieri äußerte sich am Freitag in knappen Worten:"Gestern ist mein Traum geplatzt." Böse Worte gab es keine. "Es war ein unglaubliches Abenteuer, das ich niemals vergessen werde. Niemand kann wegnehmen, was wir gemeinsam erreicht haben. Es war mir ein Vergnügen und eine Ehre, Meister zu sein mit euch", so der Italiener. Damit meinte er nicht nur die Fans, die ihn vom ersten Tag an ins Herz geschlossen hätten, sondern durchaus auch die Verantwortlichen, Mitarbeiter und Spieler.

Langfristige Interessen primär

Romantik im Fußball? Vertrauen in einen verdienten Mitarbeiter? Die Verantwortlichen haben in eine andere Richtung gedacht. "Wir sind verpflichtet, die langfristigen Interessen des Klubs vor alle persönlichen Gefühle zu setzen, wie stark die Gefühle auch sein mögen", hielt also Vizepräsident Aiyawatt Srivaddhanaprabha in einem Statement fest. Englische Medien spekulierten, die Mannschaft habe sich nach dem Absturz der vergangenen Monate gegen Ranieri gestellt. Auch das Erreichen des Achtelfinales in der Champions League, das mit einem 1:2 im Hinspiel beim FC Sevilla immerhin passabel begann, bewahrte den Coach nicht vor dem Aus.

José Mourinho prangerte stellvertretend für weite Teile der Öffentlichkeit die "Hire-And-Fire"-Mentalität" im Profi-Fußball an. "Das ist der neue Fußball, Claudio", schrieb der Portugiese bei Instagram: "Behalte dein Lächeln, mein Freund. Niemand kann die Geschichte zerstören, die du geschrieben hast." Der Independent kommentierte bissig: "Die Entlassung von Claudio Ranieri ist ein abscheuliches Verbrechen, das zeigt, dass der Fußball seine Seele verloren hat."

Auch italienische Medien reagierten indigniert. "Leicester beschmutzt das Märchen, das die ganze Welt verzaubert hatte", schrieb die italienische Gazzetta dello Sport am Freitag und nannte die Entlassung "wahnsinnig". Il Giornale machte Leicester kurzerhand zur "Hauptstadt der Undankbaren! Null Geduld, null Dankbarkeit. König Claudio zahlt den Preis für die Fehler der gesamten Mannschaft."

Assistenten in der Verantwortung

Ein Nachfolger für Ranieri steht noch nicht fest. Auf das Premier-League-Spiel am Montag gegen den FC Liverpool sollen Ranieris Assistenten Craig Shakespeare und Mike Stowell die Mannschaft vorbereiten. "Sein Status als erfolgreichster Trainer von Leicester City aller Zeiten bleibt ohne Frage", hieß es in der Club-Mitteilung zu Ranieri.

Vor seinem Engagement in Leicester hatte Ranieri unter anderen Napoli, Fiorentina, Valencia, Atletico Madrid, Chelsea, Parma, Juventus, AS Roma, Inter Mailand, AS Monaco und das griechische Nationalteam betreut. Sein Engagement in Griechenland war nicht von Dauer. Im Herbst 2014 gab’s in der EM-Qualifikation Heimniederlagen gegen Rumänien und Nordirland sowie ein Remis in Finnland. Das vierte Spiel, es ging daheim gegen die Färöer mit 0:1 verloren, war schon sein letztes. So galt Leicester vielen, als Ranieri verpflichtet wurde, als Abstiegskandidat. Der Meistertitel kam dazwischen. (fri, APA, red, 24.2.2017)

  • Vor einigen Monaten noch gefeierter Meistermacher, nun gefeuert: Claudio Ranieri.
    foto: reuters

    Vor einigen Monaten noch gefeierter Meistermacher, nun gefeuert: Claudio Ranieri.

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