Telefonica verkauft anonymisierte Kundendaten an Einzelhändler

23. Februar 2017, 18:53
1 Posting

Händler können Bewegungsprofile bestellen

Beim Telekommunikationskonzern Telefonica mit Marken wie O2, Base und Simyo nimmt der Verkauf von anonymisierten Kundendaten an Einzelhändler konkretere Formen an. In einer Präsentation für Manager im Einzelhandel, aus der am Donnerstag die deutsche "Wirtschaftswoche" zitierte, verspricht der Konzern eine umfassende Ermittlung von Kundenbewegungen in Innenstädten. Telefonica hatte das neue Geschäftsfeld im September angekündigt.

Erkenntnisse über Alter und Herkunft

Der Konzern verspricht Händlern laut "Wirtschaftswoche" Erkenntnisse über Alter, Geschlecht und Herkunft von Kunden sowie deren Bewegungsdaten. Die Händler können demnach zum Beispiel eine "Indoor-Analyse" mit den Routen bestellen, die Kunden beim Schlendern durch die Läden nehmen, und die Aufschluss über die Aufenthaltsdauer vor Regalen gibt. Auch Daten zu benutzten Transportmitteln wie Bus, Bahn oder Pkw kann Telefonica liefern.

Die Daten seien anonym, das Verfahren von der deutschen Bundesbeauftragten für Datenschutz geprüft und freigegeben, zitierte die "Wirtschaftswoche" aus der Präsentation. Telefonica hatte im September betont, Vertragsdaten von Kunden wie Alter und Geschlecht würden in einem dreistufigen Verfahren anonymisiert. Die Daten würden zuerst in kleinstmögliche Bestandteile zerlegt, der Personenbezug entfernt, dann würden Merkmale verallgemeinert, schließlich gleichartige Merkmale zusammengefasst und hochgerechnet.

49 Millionen deutsche Kunden

Der Konzern, der gerade die Marke E-Plus integriert, hat insgesamt rund 49 Millionen Kunden in Deutschland. Im September hatte der damalige Vorstandsvorsitzende von Telefonica Deutschland, Thorsten Dirks, angekündigt, dass Kunden, die Daten freigeben, künftig mit einer Belohnung rechnen könnten.

Bereits vor vier Jahren hatte Telefonica den Verkauf von Bewegungsdaten angekündigt. Damals hagelte es Proteste von Datenschützern. Der damalige Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar mahnte, in jedem Fall sei die Einwilligung des Kunden nötig. Jetzt können Kunden auf der Seite des Anbieters ein Häkchen setzen, wenn sie nicht einverstanden sind mit der Nutzung ihrer anonymisierten Daten. (APA, 23.2.2017)

    Share if you care.