Janka nach Training: "Wie viel muss noch passieren?"

Video23. Februar 2017, 19:16
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Schweizer in in Kvitfjell knapp an Kollision vorbei – Fis-Renndirektor Waldner droht dem Veranstalter mit Weltcup-Entzug: "Unterliganiveau" – Hannes Reichelt als Zweiter knapp hinter Guay

Kvitfjell – Hannes Reichelt hat am Donnerstag im einzigen Trainingslauf für die Weltcup-Abfahrten in Kvitfjell die Bestzeit des Kanadiers Erik Guay nur um eine Hundertstel verpasst. "Im oberen Teil habe ich einen kleinen Fehler gehabt, sonst war es eine perfekte Fahrt", sagte der 36-Jährige, der die von einem Magen-Darm-Virus verpatzte WM vergessen machen will.

Janka knapp an Unfall vorbei

Mehr beschäftigte Reichelt aber die Beinahekollision des Schweizers Carlo Janka mit einem Streckenposten: "So etwas darf nicht passieren", schrieb Reichelt auf Instagram.

Janka selbst sparte nicht mit Kritik: "Man fragt sich jedes Jahr, wie lange die Fis weiterhin Rennen an diesen Veranstalter vergeben will. Wie viel muss noch passieren? Ist es nicht schon genug, dass Matthias Lanziger damals wegen eines fehlenden Rettungshubschraubers seinen Unterschenkel verloren hat? Es gibt keinen anderen Ort, wo die Athleten als Pistenrutscher herhalten müssen, weil es sonst an Helfern mangelt. Als Athlet ist man nur noch eine Marionette in einem System, in dem es schon lange nicht mehr um den Sport geht."

Fis-Renndirektor Markus Waldner stellte dem Veranstalter wegen der schlechten Bedingungen die Rute ins Fenster. Sollten sich die Bedingungen bis zu den Abfahrten am Freitag und Samstag nicht entscheidend verbessern, werden ab kommender Saison kein Weltcup-Rennen mehr in Kvitfjell stattfinden, sagte Waldner am Donnerstagabend in der Mannschaftsführersitzung.

Renndirektor: "Habe ihnen die Leviten gelesen"

Waldner kritisierte sowohl die mangelnde Pistenpräparierung als auch die viel zu geringe Anzahl der vorhandenen Arbeiter. Diese seien zudem nicht gut genug geschult. "Wir sind erste Liga, und das ist Unterliganiveau", sagte Waldner. "Ich habe ihnen die Leviten gelesen." Am Donnerstagabend gab es vom Veranstalter daher eine interne Krisensitzung.

In Kvitfjell hat es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit der Organisation gegeben. Negativer Höhepunkt war Lanzingers schwerer Sturz im Jahr 2008, in dessen Folge dem Salzburger – auch aufgrund einer nicht lückenlos funktionierenden Rettungskette – der linke Unterschenkel amputiert werden musste.

Das Abfahrtstraining am Donnerstag musste laut Waldner wegen einer nicht rechtzeitig vorhandenen Farbmarkierung auf der Piste nach hinten verschoben werden. Dazu waren versprochene Pistengeräte nicht vor Ort. Teilweise mussten die Läufer selbst mithelfen, die Strecke freizurutschen.

Letzte Chance für Kvitfjell

Waldner will den Norwegern nur noch eine letzte Chance geben. "Wir haben eine Liste von sehr guten Veranstaltern, die nur darauf warten, in den Weltcup hineinzukommen", erklärte der Südtiroler.

Reichelt liegt vor den letzten drei Saisonabfahrten im Spezialweltcup mit 200 Punkten hinter Titelverteidiger Peter Fill (ITA/279), Kjetil Jansrud (NOR/247) und Dominik Paris (ITA/218) an vierter Stelle. "Der Abfahrtsweltcup würde vieles wieder gutmachen", sagte Reichelt, der schon eine kleine Kristallkugel für den Gewinn des Super-G-Weltcups 2007/08 zu Hause stehen hat. "Aber der Abfahrtsweltcup war immer ein Traum von mir."

Damit dieser in Erfüllung geht, muss am Freitag und Samstag in Norwegen und Mitte März beim Weltcup-Finale in Aspen alles optimal laufen. "Denn die drei vor mir werden auch nichts anbrennen lassen. Am gefährlichsten ist sicher Fill, weil er der Konstanteste ist." Reichelt selbst hat am 7. März 2015 für den bisher letzten ÖSV-Sieg in Kvitfjell gesorgt.

Unruhig und schlagig

Fill landete im Training 1,26 Sekunden hinter Guay an der 13. Stelle. Neben Reichelt waren auch Paris (0,62) als Vierter und Jansrud (0,74) als Siebenter schneller. Zweitbester Österreicher war Romed Baumann (0,80) als Achter. Auch der 31-jährige Tiroler will den WM-Frust von zwei Nichtnominierungen (Abfahrt und Super-G) sowie Platz zwölf in der Kombination nach Abfahrtsbestzeit hinter sich lassen. "Ich weiß, dass ich gut drauf bin. Es wäre ein Traum, wenn ich hier einen Stockerlplatz machen könnte", sagte Baumann.

Das Kvitfjell-Training begann mit knapp 25-minütiger Verzögerung, obwohl Kaiserwetter herrschte. Grund war die Streckenpräparierung. Da am Vorabend noch einmal mit schwerem Gerät gearbeitet worden war, präsentierte sich die Piste so unruhig und schlagig, dass es beiden Vorläufern die Bindung aufschlug. Deshalb musste nachgebessert werden. Bis Freitag soll die Präparierung aber dann wie das Wetter perfekt sein. (APA, 23.2.2017)

Training für die Weltcup-Abfahrten am Freitag (11.15 Uhr) und Samstag (12 Uhr) in Kvitfjell:

1. Erik Guay (CAN) 1:48,01 Min.
2. Hannes Reichelt (AUT) +0,01 Sek.
3. Brice Roger (FRA) 0,32
4. Dominik Paris (ITA) 0,62
5. Aleksander Aamodt Kilde (NOR) 0,63
6. Josef Ferstl (GER) 0,68
7. Kjetil Jansrud (NOR) 0,74
8. Romed Baumann (AUT) 0,80
9. Andreas Sander (GER) 0,88
10. Mauro Caviezel (SUI) 0,91
11. Carlo Janka (SUI) 0,92
12. Beat Feuz (SUI) 1,04
13. Peter Fill (ITA) 1,26
14. Urs Kryenbühl (SUI) 1,34
15. Manuel Osborne-Paradis (CAN) 1,47

Weiters:
22. Christian Walder 1,74
27. Klaus Kröll 1,81
28. Max Franz 1,84
29. Vincent Kriechmayr 1,95
33. Matthias Mayer 2,06 (mit Torfehler)
36. Frederic Berthold 2,21
52. Otmar Striedinger 3,80 (mit Torfehler)
59. Christoph Krenn (alle AUT) 4,59

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