89. Oscars: Burgunderroter Teppich, viele schwarze Nominierte

23. Februar 2017, 11:24
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Die Doku "I Am Not Your Negro" setzt sich mit der Realität der Schwarzen im modernen Amerika auseinander

Hollywood – Am Hollywood Boulevard in Los Angeles haben die letzten Vorbereitungen für die 89. Oscars begonnen. Am Mittwoch (Ortszeit) wurde der berühmt-berüchtigte rote Teppich in Anwesenheit der Presse ausgerollt. "Der Teppich ist nicht ganz rot", sagte Lauren Selman, die Produzentin der Show. "Es ist eine Art burgunderrot, damit es im Fernsehen richtig schön rot aussieht."

Nicht nur schön aussehen, sondern zudem politisch korrekt sein soll die Show heuer. Im Jahr nach der Kontroverse um "#OscarsSoWhite" gibt sich die Academy geläutert: Bei der diesmaligen Gala gehen mehr schwarze Nominierte ins Rennen als je zuvor. Raoul Peck ist mit "I Am Not Your Negro" einer von ihnen. "Das ist eine oberflächliche Diskussion", betont der Regisseur in Interviews. "Jeder im Saal weiß, dass das Problem woanders liegt."

Der 1953 in Haiti geborene Filmemacher ("Lumumba") zeichnet in seinem Dokumentarfilm aus Texten des afroamerikanischen Autors James Baldwin, Archivmaterial der Bürgerrechtsbewegung der 50er- und 60er-Jahre sowie Aufnahmen von Polizeigewalt ein beklemmendes Bild der Realität von Schwarzen im modernen Amerika. Die zentrale Auseinandersetzung mit dem Vermächtnis der drei ermordeten Bürgerrechtsaktivisten Medgar Evers, Malcolm X und Martin Luther King Jr. wirft die Frage auf, inwiefern sich Amerika in den vergangenen 40 bis 50 Jahren mit Baldwins Beobachtungen rund um die Konstruktion rassistischer Stereotype beschäftigt hat.

"Es zeigt uns, dass sich im Wesentlichen nichts geändert hat", beklagt Peck. "Weil wir zunehmend dazu tendieren, die Geschehnisse auf der Welt nur oberflächlich zu betrachten. Wir erfassen das große Ganze nicht mehr, sind unfähig, zu unterscheiden, was wichtig ist und was nicht, leben nur von einer 'breaking news' zur nächsten."

Riesenerfolg "Toni Erdmann"

Wird es ein Triumph oder eine neue Enttäuschung? Schon beim Filmfestival von Cannes galt Maren Ade mit "Toni Erdmann" als Favoritin, am Ende ging sie aber leer aus. Vor der Oscar-Verleihung am Sonntag ist die 40-Jährige Anwärterin für den besten fremdsprachigen Film, gewonnen ist aber noch nichts. Doch ob Erfolg oder Enttäuschung in Hollywood – einen Coup landete Ade mit ihrem Film in jedem Fall.

Seit dem Oscar von "Das Leben der Anderen" vor zehn Jahren wurde von einem deutschen Film international nicht mehr so viel gesprochen wie von "Toni Erdmann". Die "Variety" schwärmte von einem "menschlichen, heiteren Triumph". Die französische Zeitung "Le Figaro" schrieb, der Vater-Tochter-Film über die schwierige Beziehung zwischen einer ehrgeizigen Unternehmensberaterin (Sandra Hüller) zu ihrem sozialromantischen Vater (Peter Simonischek), einem Alt-68er, erreiche "die Sterne".

Die Oscars werden in der Nacht auf Montag zum 89. Mal verliehen. (APA, red, 23.2.2016)

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