Opel-Übernahme Anfang März möglich

23. Februar 2017, 10:18
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Peugeot glänzt 2016 mit seinem Gewinn, der französische Autobauer will mit der Opel-Übernahme Milliarden einsparen

Paris/Rüsselsheim – Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën präsentiert sich vor einer möglichen Übernahme von Opel mit einem starken Gewinnplus. Der Reingewinn des abgelaufenen Jahres verdoppelte sich fast auf 1,7 Milliarden Euro, teilte der Konzern am Donnerstag mit. Zum Verlauf der Übernahmeverhandlungen mit der Opel-Mutter GM hielt sich der Vorstand um Konzernchef Carlos Tavares bedeckt.

"Derzeit kann es keine Gewissheit geben, was das Ergebnis dieser Gespräche angeht", sagte Finanzchef Jean-Baptiste de Chatillon in einer Telefonkonferenz. Die Nettobarmittel in Höhe von 6,8 Milliarden Euro erlaubten jedenfalls gewinnbringende Investitionen im Interesse der Aktionäre.

Einsparungen in Milliardenhöhe

Laut Insidern peilt PSA durch die Opel-Übernahme Einsparungen von jährlich bis zu zwei Milliarden Euro an. Die Synergien würden sich im Wesentlichen durch Zusammenführungen bei Einkauf und Entwicklung ergeben, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch.

Zudem werde angestrebt, dass das vereinte Unternehmen bis 2022 fünf Millionen Fahrzeuge jährlich absetzt. Die Kaufgespräche mit General Motors könnten wahrscheinlich bis Anfang März abgeschlossen werden, erklärten die Insider.

Garantien für Opel-Standorte

Bei einem Zusammenschluss könne der gemeinsame Konzern von der Sanierung von Opel und dem Zusammenspiel der Marken profitieren, erklärte Konzernchef Tavares am Donnerstag. Vor wenigen Tagen hatte er in einem Telefonat mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel zugesagt, dass sich Peugeot bei einer Übernahme an Tarifverträge und Vereinbarungen bei Opel halten werde. Damit sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende nächsten Jahres ausgeschlossen. Für die Opel-Standorte in Rüsselsheim, Kaiserslautern, Eisenach und das Ersatzteilzentrum in Bochum gelten Bestandsgarantien bis 2020. General Motors verhandelt bereits seit einigen Monaten über den Verkauf von Opel und will sich damit aus dem verlustreichen Europageschäft zurückziehen.

Die Gespräche waren erst vergangene Woche bekannt geworden. Daraufhin hatte sich auch die Politik eingeschaltet. Während in Deutschland die Furcht vor einem Personalabbau nach den Beschäftigungszusagen durch PSA gesunken ist, gibt es in Großbritannien nach wie vor große Sorgen. Die Gewerkschaft Unite befürchtet, dass eine der beiden Fabriken in Ellesmere Port und Luton dichtgemacht werden könnte. Bei Opel in Deutschland arbeiten gut 19.000 Menschen, bei Vauxhall sind es rund 4.500 Mitarbeiter.

Opel tief in roten Zahlen

Während Opel seit 17 Jahren in den roten Zahlen steckt, glänzt Peugeot inzwischen mit satten Gewinnen. Tavares hat den Konzern mit einem radikalen Sanierungskurs und neuen Modellen in die Erfolgsspur gebracht. Zusammen mit Opel will er nun den nach Volkswagen zweitgrößten Autokonzern Europas schmieden. Gemeinsam kämen die beiden Unternehmen bis 2022 Experten zufolge auf einen Absatz von rund fünf Millionen Fahrzeugen im Jahr. Die jährlichen Einsparungen durch den Zusammenschluss werden auf 1,5 bis zwei Milliarden Euro geschätzt. Weltweit wäre PSA/Opel damit jedoch nur etwa halb so groß wie die führenden Konzerne Volkswagen, Toyota und GM.

Seinen Aktionären, darunter die Familie Peugeot, der französische Staat und der chinesische Autobauer Dongfeng, macht PSA bereits jetzt Freude. Der Konzern kündigt nach einer sechs Jahre währenden Durststrecke die erste Dividende an. Die Anteilseigner sollen 48 Cent je Aktie erhalten. Das Gewinnmargenziel im Autogeschäft für den Zeitraum 2016 bis 2018 hob PSA auf einen durchschnittlichen Jahreswert von 4,5 Prozent an. (APA, Reuters, 23.2.2017)

  • Peugeot Citroën will Opel vom größten US-Autobauer GM kaufen, der seit Jahren mit seinem Europageschäft in den roten Zahlen steckt.
    foto: ap/martin meissner

    Peugeot Citroën will Opel vom größten US-Autobauer GM kaufen, der seit Jahren mit seinem Europageschäft in den roten Zahlen steckt.

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