Homöopathie: US-Behörde untersucht Kleinkinder-Todesfälle

23. Februar 2017, 10:31
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Die US-Arzneimittelbehörde warnt vor homöopathischen Mitteln, die beim Zahnen helfen sollen

Wien – Babys mit giftigen Schwarzen Tollkirschen füttern: Keine Eltern würden auf diese Idee kommen. Dennoch wurden in den USA homöopathische Mittel damit hergestellt, die beim Zahnen helfen sollen. Im Prinzip sollte das keine gesundheitlichen Probleme erzeugen, da die Verdünnung in homöopathischen Mitteln so hoch ist, dass meist nicht einmal ein Molekül der verwendeten Substanz in der fertigen Lösung vorhanden ist. Die US-amerikanische Arzneimittelsicherheitsbehörde FDA hat nun jedoch 400 Berichte von Nebenwirkungen entdeckt, die nach der Einnahme der Präparate aufgetreten waren – und zehn Todesfälle.

Anlass dafür, dass die FDA überhaupt tätig wurde, war der Fall eines Kleinkindes. Es kam nach Einnahme der homöopathischen Tabletten mit epileptischen Anfällen ins Krankenhaus und überlebte. Der Vater meldete den Fall der FDA, diese will nun untersuchen, ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht.

Homöopathische Mittel gelten als nebenwirkungsarm, da sie keinen Wirkstoff mehr enthalten. Giftige Substanzen wie Quecksilber oder eben Tollkirsche werden wiederholt verdünnt. Durch Schütteln vor der Verdünnung soll die Kraft des Wirkstoffs verstärkt werden. Die scheinbaren Erfolge basieren laut wissenschaftlichen Studien auf dem Placebo-Effekt.

Warnung vor bestimmten Präparaten

Eine erste Analyse der FDA zeigt nun ein anderes Bild, sie hat deshalb eine Warnung vor bestimmten homöopathischen Präparaten herausgegeben. Der Wirkstoff der Schwarzen Tollkirsche, auch Belladonna genannt, sollte in den fertigen Präparaten eigentlich nicht mehr nachweisbar sein. Tatsächlich wurde er in den Analysen der FDA jedoch teilweise nachgewiesen. Behördenvertreter warnen nun vor einem "unnötigen Risiko für Babys und Kleinkinder". Die Mittel wurden offenbar zu wenig verdünnt.

Bei den rund 400 Fällen, die der FDA nun vorliegen, leiden die Kinder vor allem unter Krämpfen, Zittern, Fieber, Kurzatmigkeit und Lethargie. Der in der Tollkirsche enthaltene Wirkstoff Atropin kann diese Symptome auslösen. Höhere Dosen können sogar zu Koma und Atemstillstand führen. (red, 23.2.2017)

  • Manche homöopathischen Stoffe sind offenbar nicht so nebenwirkungsarm wie angenommen.
    foto: dpa/frank rumpenhorst

    Manche homöopathischen Stoffe sind offenbar nicht so nebenwirkungsarm wie angenommen.

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