Deutscher Presserat befasst sich mit Cover von "Spiegel" und "Charlie Hebdo"

22. Februar 2017, 18:42
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Trump und Merkel als IS-Henker dargestellt

Berlin – Der Deutsche Presserat entscheidet noch im März sowohl über Beschwerden zum umstrittenen "Spiegel"-Titelbild mit US-Präsident Donald Trump als auch zum "Charlie Hebdo"-Cover mit Angela Merkel. Beide waren wie die Henker der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) dargestellt worden

Das Satiremagazin "Charlie Hebdo" hatte Merkel in seiner deutschen Ausgabe Anfang Februar in einer Karikatur mit blutigem Messer in der einen, den abgetrennten Kopf des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz in der anderen Hand gezeigt. Dazu ging eine Beschwerde beim Presserat ein, in der kritisiert wurde, die Darstellung diffamiere die Bundeskanzlerin. Der Beschwerdeausschuss beschäftige sich bei der nächsten Sitzung am 23. März mit dem Vorwurf, sagte Presseratssprecherin Edda Eick am Mittwoch.

Lebhafte Diskussionen

Am gleichen Termin soll auch über die Beschwerden entschieden werden, die zum "Spiegel"-Titelbild eingegangen sind, an das sich "Charlie Hebdo" kurz danach angelehnt hatte. Es zeigt den US-Präsident Donald Trump in ähnlicher Pose, den Kopf der Freiheitsstatue hochhaltend. Gestaltet hatte es der aus Kuba stammende Künstler Edel Rodriguez, der 1980 als politischer Flüchtling in die USA gekommen war. Dazu waren 21 Beschwerden eingegangen. Kritisiert wurde unter anderem, die Darstellung des US-Präsidenten sei ehrverletzend.

Das "Spiegel"-Cover sorgte für lebhafte Diskussionen und wurde teils gelobt, teils heftig kritisiert. Mit der nachgestellten Titelseite wollte "Charlie Hebdo" dem "Spiegel" nach eigenen Angaben seine Solidarität und seinen Respekt ausdrücken.

"Wir nehmen die Beschwerde ernst und werden selbstverständlich gemäß des Reglements des Deutschen Presserats darauf antworten", sagte die deutsche "Charlie Hebdo"-Chefredakteurin Minka Schneider am Mittwoch. Die französische Satirezeitung, die Anfang Dezember eine deutsche Ausgabe gestartet hatte, ist bekannt für provokative und häufig derbe Karikaturen. Im Jänner 2015 wurde die Redaktion der Zeitung in Paris Ziel eines islamistischen Anschlags mit zwölf Toten. (APA, 23.2.2017)

Nachlese

Trump als Henker: Künstler verteidigt "Spiegel"-Cover – Bild stammt von eingewandertem Kubaner – Bis jetzt 16 Beschwerden beim deutschen Presserat

  • Das umstrittene "Spiegel"-Cover.
    foto: spiegel verlag

    Das umstrittene "Spiegel"-Cover.

  • Merkel am Cover von "Charlie Hebdo".
    foto: charlie hebdo

    Merkel am Cover von "Charlie Hebdo".

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