FSA-Kämpfer in Innsbruck vor Gericht

22. Februar 2017, 18:14
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27-Jähriger soll wehrlose Soldaten erschossen haben

Innsbruck – Der Prozess gegen einen 27-Jährigen wegen Mordes als terroristische Straftat ist am Mittwoch am Landesgericht Innsbruck aufgrund des Gesundheitszustandes des Angeklagten auf den 28. März vertagt worden. Die Staatsanwaltschaft warf dem Mann vor, im Syrien-Krieg nach Kämpfen mindestens 20 verletzte und wehrlose Soldaten der gegnerischen Truppen erschossen zu haben.

Ein Zeuge, der in der gleichen syrischen Stadt wie der Beschuldigte aufgewachsen war, berichtete vor Gericht, dass die Mutter des 27-Jährigen verstorben ist, woraufhin der Angeklagte zusammenbrach. Diese Meldung stellte sich nach einigen Telefonaten nach Syrien jedoch als falsch heraus.

Der 27-Jährige, der vor seiner Flucht in einem palästinensischen UNO-Flüchtlingsquartier in Syrien gelebt hatte, betrat zu Prozessbeginn flankiert von mehreren Cobra-Beamten mit Sturmgewehren den Gerichtssaal. Er beteuerte vor dem Geschworenengericht, niemanden getötet zu haben. "Ich bin unschuldig", betonte er. Da er und seine beiden Brüder aber an Demonstrationen gegen das Regime teilnahmen, hätten sie als Oppositionelle gegolten und seien verfolgt worden. "Das Regime hat meine Brüder umgebracht. Ich hatte eine Waffe, um meine Familie und mich zu verteidigen", meinte der 27-Jährige.

Zeuge belastet Angeklagten

Der Beschuldigte stritt jedoch vehement ab, jemals an Kämpfen teilgenommen zu haben. Ein in der gleichen Stadt aufgewachsener Zeuge meinte aber vor Gericht, dass er den Angeklagten regelmäßig mit einer Waffe gesehen habe und mindestens auch einmal beobachten konnte, wie er auf Soldaten der syrischem Armee schoss.

Der 27-Jährige sei nicht aufgrund eines Beitrags bei Kampfhandlungen gegen die Truppen des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad angeklagt und auch nicht als Mitglied einer terroristischen Vereinigung, stellte der Staatsanwalt in seinem Eröffnungsplädoyer klar. "Er ist angeklagt, weil er am Boden liegende gegnerische Soldaten erschossen hat", so der öffentliche Ankläger.

Geständnis widerrufen

Der Beschuldigte soll als Mitglied einer Untergruppierung der "Freien Syrischen Armee" gegen die syrische Armee gekämpft haben. Der 27-Jährige hatte vor Beamten des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung die ihm vorgeworfenen Taten selbst gestanden, dieses Geständnis aber später widerrufen.

Die Aussagen vor den Beamten des Landesamts für Verfassungsschutz seien auf einen Übersetzungsfehler des Dolmetschers zurückzuführen. "Ich habe die allgemeine Lage in Syrien beschrieben und der Dolmetscher hat es so übersetzt, als hätte ich das alles gemacht", verteidigte sich der Angeklagte. Ihm droht laut Anklagebehörde bei Verurteilung bis zu lebenslange Haft. (red, APA, 22.2.2017)

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