Doppelstaatsbürgerschaft: Mehr Vor- als Nachteile oder andersrum?

User-Diskussion6. März 2017, 09:00
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Emotionale Bindung, keine Visa bei der Einreise und doppeltes Wahlrecht – eine Doppelstaatsbürgerschaft bringt einige Vorteile mit sich, aber auch Nachteile. Welchen Herausforderungen mussten Sie sich mit Ihrer Doppelstaatsbürgerschaft stellen?

Man stelle sich vor: der Trip nach New York ist schon gebucht, die Sightseeingpläne ausgearbeitet, da springt eine der Freundinnen ab. Sie ist zwar österreichische Staatsbürgerin, hat aber familiäre Bande in ein muslimisches Land. Trumps Einreisestopp für Staatsbürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Staaten hat sie verunsichert. Dieser ist zwar mittlerweile – zumindest vorläufig – wieder außer Kraft gesetzt, doch das Gefühl der Verunsicherung bleibt. So oder ähnlich ging es vielen Österreichern, die zusätzlich zur österreichischen auch die iranische, irakische, syrische, libysche, somalische, jemenitische oder sudanesische Staatsbürgerschaft haben.

Problemfelder

Doch auch andere Doppelstaatsbürgerschaften bringen das eine oder andere Problem mit sich. Die amerikanische Staatsbürgerschaft zu haben klingt erst einmal super. Ungehinderte Einreise, ohne mühsam ESTA beantragen zu müssen und ohne lange Befragungen durch Flughafenpersonal, die Möglichkeit, in den USA zu arbeiten und zu leben, scheint verlockend. Doch gleichzeitig bedeutet der amerikanische Pass, dass dank FATCA das österreichische Bankgeheimnis nicht gilt, dass man kein Gemeinschaftskonto mit einem Österreicher eröffnen darf und dass man jährlich die äußerst komplizierte US-Einkommensteuererklärung abgeben muss – auch wenn man nie in den Vereinigten Staaten gelebt und gearbeitet hat. Die Staatsbürgerschaft zurücklegen geht aber auch nicht so einfach, das würde dann über 2.000 US-Dollar kosten.

Keine Statistiken

Prinzipiell lässt Österreich Doppel- oder Mehrfachstaatsbürgerschaften nicht zu. In Ausnahmefällen – wenn es im Interesse der Republik liegt, wenn der andere Staat ein Ausscheiden nicht zulässt oder bei Abstammung von binationalen Eltern – ist es jedoch möglich. Wie viele das in Österreich aber genau betrifft, ist schwer zu sagen. Statistiken darüber werden nicht geführt. Bei der letzten klassischen österreichischen Volkszählung im Jahr 2001 gaben 55.000 Personen an, eine Doppelstaatsbürgerschaft zu besitzen.

Sind auch Sie betroffen?

Haben auch Sie mehr als eine Staatsbürgerschaft? Welche Vorteile hat es Ihnen gebracht? Welche zusätzlichen Schwierigkeiten? Teilen Sie Ihre Erlebnisse im Forum! (Anya Antonius, 6.3.2017)

  • Zwei Pässe: Doppelte Vorteile?
    foto: getty images/istockphoto/finkavenue

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