Leopold-Museum: Patenschaften als Zubrot

22. Februar 2017, 16:51
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Spender stocken das Budget auf

Wien – Kunstpatenschaften bescheren den heimischen Museen seit einigen Jahren ein Zubrot, das die unter latentem Kostendruck stehenden Initiatoren nicht mehr missen mögen. Etwa in der Albertina, die im Rahmen der aktuell angelaufenen Schiele-Ausstellung (bis 18. 6.) 13 Bilderpaten suchte und deren sieben fand. Kostenpunkt je 3000 Euro. Dafür nahm man am festlichen Eröffnungsdinner teil und wird der Donator für die Dauer der Ausstellung auf dem Bildlabel genannt.

Als Spende sind solche Patenschaften als Betriebs- oder Sonderausgabe steuerlich absetzbar. Davon versuchte 2016 auch das Leopold-Museum in größerem Umfang zu profitieren, als Hans-Peter Wipplinger als museologischer Direktor mit Verborgene Schätze seinen Ausstellungseinstand gab: mit rund 180 Exponaten, die aus konservatorischen Gründen hauptsächlich im Depot ihr Dasein fristeten. Die Übernahme von Restaurierungs- und anderen Kosten durch Paten sollten die Werke "der Öffentlichkeit wieder dauerhaft zugänglich" machen.

Auf Anfrage beziffert man die zugehörigen Einnahmen mit 80.000 Euro, die wesentlich zur Steigerung der Sponsoringeinnahmen um 42 Prozent beitrugen. Die gespendeten Beträge reichten von 50 bis zu mehreren Tausend Euro. Der großzügigste Privatspender war die Gustav Klimt – Wien 1900 Privatstiftung mit 9690 Euro. Damit hätten ein von Josef Hoffmann für den Modesalon Flöge entworfener Fauteuil (2320 Euro) restauriert und Gustav Klimts Gemälde Tod und Leben einen Glasschutz und eine neue Halterung (7370 Euro) bekommen sollen. Allein, die beiden "Patienten" harren noch der Behandlung. Laut Museum habe man das Glas bestellt und würde "die Frage der Metallfassung noch geklärt".

Die Gesamtbilanz 365 Tage nach Ende der Ausstellung: Von Fachleuten wurden seither 49 Objekte restauriert. Darunter eine Skulptur von Georg Minne, 32 Arbeiten auf Papier sowie 16 Gemälde (u. a. Faistauer, Egger-Lienz). Dazu bekamen 16 Kunstwerke neue Rahmen und 14 eine Verglasung "zum Schutz vor Staub oder niesenden Besuchern". Dazu gehörte etwa Richard Gerstls Gemälde Mathilde Schönberg im Garten, das nun als Leihgabe der Gerstl-Retrospektive (24. 2. bis 14. 5., Schirn-Kunsthalle) in Frankfurt gastiert. Laut Museum wäre das Werk ohne Glas- und Schwingschutz (4015 Euro) gar nicht leihfähig gewesen. Einen Teil der Kosten übernahm in diesem Fall der Leihnehmer. (Olga Kronsteiner, 23.2.2017)

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