Heldenplatz – belassen wir's dabei

Kommentar der anderen22. Februar 2017, 16:23
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Eine Umbenennung würde auch ein großes Stück Geschichte entsorgen

Seit es ihn gibt, wird der Heldenplatz umgeplant. Da sollten die Achsen verschoben, die Denkmäler versetzt, ein abschließendes Gebäude im Bereich des Volksgartens errichtet werden. Die derzeitigen Notunterkünfte für das Parlament sind Andeutungen dessen, was einmal hätte sein sollen und was vielleicht einmal sein wird. Gegenwärtig soll wohl die angedachte Umbenennung ein Gesamtkonzept ersetzen, nach dem Motto: Habe neuen Namen, suche passende Nutzung.

Eingestandenermaßen kann ich mit dem Vorschlag, den Heldenplatz umzubenennen, nicht viel anfangen. Ich weiß wohl, dass schon seit einiger Zeit über die Umbenennung nachgedacht wird, und es könnte auch eine 2018 erfolgende Namensänderung in "Platz der Republik" als etwas gesehen werden, das den bisher eher konfusen Gedanken zum Republiksjubiläum Inhalt gibt. Gleichzeitig würde man aber ein großes Stück Geschichte entsorgen.

Was am Heldenplatz stört, ist wohl mehreres: die Bezeichnung, die Weite des Raums und nicht zuletzt die Terrasse, die als "Hitlerbalkon" eine sprachliche Verniedlichung erfährt. Zu Ersterem lässt sich sagen, dass jede Zeit ihre Helden hat. Gelegentlich verlieren sie ihre Bedeutung und werden ersetzt. Sie sind dann Teil der Geschichte und werden unauffällig. Damit entsprechen sie dem schönen Musil-Zitat: "Das Auffallendste an Denkmälern ist, dass man sie nicht bemerkt." Will man gegen die Weite des Platzes ankämpfen, kann man nur Verbauung empfehlen. Zum Letzten fällt mir frei nach Karl Kraus "nichts ein". Die Terrasse abzutragen wäre vielleicht noch eine Möglichkeit.

Nähern wir uns dem Problem von einer anderen Seite: Jede Stadt braucht Verkehrsflächen, die man in gewissen Abständen umbenennen kann. Umbenennungen sind meist Ausdruck eines politischen Wechsels. Wenn man Paris und seine Place de la Republique hernimmt, wurde die Bezeichnung gewählt, um eine revolutionäre Veränderung deutlich zu machen. Meines Wissens haben wir aber gerade keine Revolution erlebt. Und ob es 1918 eine Revolution gegeben hat, ist auch mehr als fraglich. Fängt man jedoch einmal mit Umbenennungen an, werden historische Orte der Beliebigkeit preisgegeben. Dann tendiert man immer wieder dazu, um- und neu zu benennen. Nach dem März 1938 wurden allein in Wien mehrere Hundert Straßen, Gassen und Plätze umbenannt. Als einer der ersten Plätze wurde der Wiener Rathausplatz noch am 12. März zum "Adolf-Hitler-Platz". 1945 ging es dann ans Rückbenennen. Zur Freude der Russen wurden auch Plätze wie der Schwarzenbergplatz in "Stalinplatz", die Reichsbrücke in "Brücke der Roten Armee" usw. umbenannt. An den Heldenplatz hat offenbar niemand gedacht. Das ist unserer Zeit vorbehalten geblieben.

Anderswo hat man diesbezüglich wohl weniger Sorgen. Den Budapester Heldenplatz mit dem Millenniumsdenkmal kennt man vielleicht. Den Perchtoldsdorfer Heldenplatz vielleicht nicht. Für beide und dutzende andere weltweit ist mir nicht bekannt, dass eine Notwendigkeit zur Umbenennung geortet worden wäre.

Gesetzt den Fall, man würde den Heldenplatz in "Platz der Republik" umbenennen: Was macht man dann mit den beiden Reiterdenkmälern? Prinz Eugen und Erzherzog Carl waren gewiss keine republikanischen Helden. Sollen auch sie entsorgt werden? Vielleicht könnte man es mit Anonymisieren versuchen, so wie man das im kommunistischen Ungarn mit dem Prinz-Eugen-Denkmal getan hat, das dann als "Unbekanntes Reiterstandbild" vorgestellt wurde.

Der Hinweis darauf, dass am 15. März 1938 Hitler seinen großen Auftritt auf dem Heldenplatz hatte, ist wohl das schwächste Argument, um mit dem Platz und seiner Funktion abzurechnen. Vor dem Mann aus Braunau und nach ihm hat es auf dem Heldenplatz Großveranstaltungen gegeben, von denen einige weit mehr Menschen versammelt haben als die "Anschluss"-Kundgebung 1938. Und ich glaube keine falschen Vermutungen anzustellen, wenn ich meine: Der Platz wird noch für viele Großveranstaltungen und nicht nur für Ausweichquartiere, Parkplätze, Bauernmärkte, Autoschauen etc. herhalten müssen. Und im Übrigen: Auch die Republik braucht – und hat – ihre Helden. Belassen wir's dabei. (Manfried Rauchensteiner, 22.2.2017)

Manfried Rauchensteiner war Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums.

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