Mit Bluthochdruck in die Sauna?

22. Februar 2017, 12:19
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Menschen mit Bluthochdruck wissen oft nicht, ob sie in die Sauna gehen dürfen. Ein Mediziner erklärt, was betroffene Patienten beachten sollten

Saunieren genießt einen guten Ruf: Von regelmäßigen Saunagängen sollen Wohlbefinden und Gesundheit profitieren. Das Immunsystem sei bereits nach wenigen Monaten gestärkt und Saunagänger daher selten erkältet, heißt es. Diesen positiven Effekten steht die weit verbreitete Meinung gegenüber, dass Saunieren zu einem Kollaps aufgrund einer zu starken Blutdrucksenkung führen könnte.

Verursacht werde diese durch die anhaltende Hitzeeinwirkung und eine Erweiterung der Blutgefäße. "Hier sollte jedoch zwischen den akuten Auswirkungen eines Saunagangs und denen in der Ruhephase sowie der Langzeitwirkung regelmäßiger Saunagänge unterschieden werden", sagt Reinhard Ketelhut, Sportwissenschaftler und Sportmediziner am Medical Center Berlin.

Der Saunagang ist zunächst eine Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Haut- und Körpertemperaturen können bis auf 40 Grad Celsius ansteigen. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, wodurch sich auch die Herzfrequenz kontinuierlich beschleunigt. Nach 15 Minuten Saunieren entspricht die Herzfrequenz Werten wie bei einer Belastung von 90 Watt auf dem Fahrradergometer – also etwa der Anstrengung, wenn man mit einer Tasche in der Hand zum Bus rennt. "Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass der obere, systolische Blutwert, mit der zunehmenden Aufenthaltsdauer in der Sauna zunimmt", so Ketelhut.

Wert konstant erhöht

"Der untere, diastolische Blutwert, steigt zu Beginn des Saunierens deutlich an, und bleibt dann währenddessen konstant erhöht." Es komme also nicht zu einem Abfall des diastolischen Wertes. "Die Blutdrucksenkung tritt erst in der Ruhephase ein", erklärt der Experte. Dann halte sie noch lange an. Wer einen gut eingestellten Bluthochdruck habe, müsse nicht auf Saunagänge verzichten.

Wer sich lange nicht mehr körperlich belastet oder Sport getrieben hat, sollte ebenso wie Patienten mit Vorerkrankungen vor dem ersten Saunabesuch einen Arzt hinzuziehen", rät Ketelhut. Dieser solle ein Belastungs-EKG durchführen, um einen Sauerstoffmangel am Herzen auszuschließen. "Ein Kriterium hierfür ist eine beschwerdefreie Belastbarkeit von mindestens einem Watt/kg Körpergewicht." Für Menschen mit Bluthochdruck gilt: Der Blutdruck soll nicht nur in Ruhe, sondern auch unter Belastung gut eingestellt sein. "Bei 20- bis 50-jährigen Frauen und Männern sollte er bei 100 Watt einen Wert von 200/100 mmHg nicht überschreiten", so der Experte. Dann stehe dem Saunavergnügen nichts im Wege.

Wer mit gut eingestelltem Bluthochdruck regelmäßig saunieren will, sollte aber noch weitere Dinge beachten. Zum einen sollten Einsteiger langsam beginnen und sich langsam steigern. In der typischen finnischen Sauna herrschen Temperaturen von 80 bis zu 100 Grad Celsius bei nahezu null Prozent Luftfeuchtigkeit. Für den Anfang sind Bio- oder Dampfsaunen mit 45 und 60 Grad Celsius bei höherer Luftfeuchtigkeit ratsam.

Langsam steigern

Auch die Verweildauer sollte zu Beginn nur etwa drei bis fünf Minuten betragen und bei guter Verträglichkeit langsam gesteigert werden. Zum anderen sollten Patienten mit Bluthochdruck eine radikale Abkühlung nach dem Saunagang im Eisbecken oder der kalten Dusche vermeiden. "Dies könnte eine Engstellung der Gefäße und dadurch einen stärkeren Blutdruckanstieg verursachen", erklärt Ketelhut. Diese Veränderungen könnten bei Menschen mit Herzkranzgefäß-Erkrankungen Herzbeschwerden hervorrufen. Ratsam sei ein langsames, kontrolliertes und stressfreies Abkühlen an der Luft oder durch lauwarmes Wasser sowie eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten nach jedem Saunagang.

Der Blutdruck ist in der Ruhephase nach der Sauna noch deutlich niedriger als vor dem Saunabesuch. Für die Blutdrucksenkung ist zum Teil ein Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen verantwortlich. Studien haben aber gezeigt, dass bei regelmäßigem Saunieren eine dauerhaft günstige Wirkung auf die Blutdruckregulation eintritt, die nicht allein durch den Flüssigkeitsverlust zu erklären ist. So wurde der Blutdruck bei Hypertonikern bei zweimal wöchentlichem Saunabesuch von 166/101 mmHg nach drei Monaten auf 143/92 mmHg und somit um 23 mmHg systolisch und neun mmHg diastolisch gesenkt. Bei Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen konnte eine vergleichbare Blutdrucksenkung von 162/110 mmHg auf 139/92 mmHg erzielt werden, was dann sogar noch nach drei Jahren nachweisbar war.

Regulation der Stresshormone

Als wesentlicher Faktor für die Blutdrucksenkung durch Saunieren wird eine funktionelle Verbesserung des Endothels – der Innenschicht der arteriellen Gefäße – angenommen, wie sie auch regelmäßiges Ausdauertraining mit sich bringt. Aber auch die Regulation der Stresshormone kann durch regelmäßige Saunagänge günstig beeinflusst werden.

Es gibt auch Faktoren, die gegen einen Saunabesuch sprechen: Dazu zählen ein schlecht eingestellter Bluthochdruck oder wiederholte Blutdruckkrisen, akute Herzschwäche, Brustschmerzen mit sich ändernder Symptomatik (instabile Angina Pectoris) und weitere Herzerkrankungen, bei denen starke Belastungen vermieden werden sollten. Ketelhut: "Wer sich unsicher ist, ob er nicht dennoch saunieren kann, für den ist auch hier der betreuende Arzt der erste Ansprechpartner." (red, idw, 22.2.2017)

  • Menschen mit bestimmten Erkrankungen sollten vor dem Gang in die Sauna mit ihrem Arzt darüber sprechen.
    foto: istockphoto

    Menschen mit bestimmten Erkrankungen sollten vor dem Gang in die Sauna mit ihrem Arzt darüber sprechen.

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