Vor dem Comeback: Was das Nokia 3310 zum Kultobjekt macht

22. Februar 2017, 10:54
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Das Handy aus dem Jahr 2000 punktet nicht nur mit Robustheit und langer Akku-Ausdauer

Die Ära der Windows Phones unter dem Namen Nokia ist vorüber. Seit einigen Wochen verkaufen die Finnen gemeinsam mit ihrem Partner HMD Global ein erstes Android-Smartphone am chinesischen Markt. Bald soll dieses, das Nokia 6, gemeinsam mit weiteren Geräten auch international verfügbar werden.

Neben weiteren Smartphones will Nokia am bald beginnenden Mobile World Congress aber auch eines seiner bekanntesten "Tastenhandys" in einer Neuauflage an den Start schicken: Das Nokia 3310. Ende 2000 ist das Gerät erschienen, 126 Millionen Stück wurden verkauft. Es gehört zu jenen Produkten, die Nokias Namen bekannt und das Unternehmen zum lange unangefochtenen Marktführer gemacht haben. Vom damals erarbeiteten Prestige zehrt die Marke heute noch. Aber was hat das 3310 zum Kultobjekt gemacht?

fredrik idestam

Akkulaufzeit und Robustheit

Die ersten beiden Antworten auf diese Frage dürften kaum überraschen. Das Gerät war gut verarbeitet und steckte in einem widerstandsfähigen Hartplastikgehäuse. Viele größere und kleinere Unfälle überstand es, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen. Noch heute werden Memes gepflegt, die sich auf Widerständigkeit des Mobilfunk-Klassikers beziehen. Die finnische Botschaft hat sogar ein Emoji für den Begriff "unzerstörbar" kreiert, das sehr offensichtlich dem Nokia 3310 nachempfunden ist.

Auch die Akkulaufzeit des Handys konnte sich sehen lassen. Bis zu 260 Stunden werden offiziell als Standby-Zeit angegeben. Rund elf Tage konnte das Handy also nach einer Aufladung in "Wartestellung" verharren. Auch die reine Sprechzeit von bis zu 4,5 Stunden kann sich sehen lassen. Bewältigt wurde dies mit lediglich 900 bzw. 1000 mAh Akku-Kapazität.

Austauschbarer Akku, kompakte Maße

Hier gesellt sich ein weiterer Aspekt dazu: Die Batterie des Nokia 3310 war einfach austauschbar. Eine Eigenschaft, die modernen Smartphones zugunsten schlanker Gehäusemaße und "Premium-Design" mittlerweile größtenteils abhanden gekommen ist. Selbst bei vielen Mittelklassegeräten ist ein eigenhändiger Wechsel nur noch unter Werkzeugeinsatz und Garantieverlust möglich.

Hinzu gesellt sich die Handlichkeit des Mobiltelefons. 113 x 48 x 22 Millimeter misst es offiziell. Zwar ist es damit gut und gerne doppelt so dick wie aktuelle Smartphones, lässt sich aber trotzdem problemlos einhändig bedienen.

foto: nokia

Große Verbreitung

Die hohe Verbreitung des 3310 und verwandter Nokia-Geräte hatte noch einen anderen Vorteil. Wenngleich das Handy über einen proprietären Anschluss aufgeladen wurde, war die Wahrscheinlichkeit, sich im Notfall ein Ladegerät ausborgen zu können, damit relativ hoch.

Eine Situation, die sich in den ersten Jahren des frisch begonnenen Jahrtausends graduell verschlimmerte, weil viele Handyhersteller ebenfalls auf eigene Anschlüsse setzten. Erst eine über EU-Ebene herbeigeführte Selbstverpflichtung beendete das Chaos und verhalf microUSB zum Durchbruch als De-facto-Standard.

Design

Ein sehr subjektiver Bestandteil des Kultfaktors ist auch das Design des Nokia 3310. Der stilprägende "Schwung", der das monochrome Display einfasst und die Navigationstasten beherbergt verlieh dem Gerät in Kombination mit den "kieselförmigen" Tasten einen heute retro-futuristisch anmutenden Charme.

Wer wollte, konnte sein Handy auch individualisieren. Denn die vordere und hintere Abdeckung ließen sich austauschen. Nicht nur Nokia selbst, auch zahlreiche Dritthersteller lieferten Wechselcover in vielen Varianten.

A blast from the past ;) #nokia #3310 #blastfromthepast

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Software-Features und "Snake"

Last, but not least, trug auch die vorinstallierte Software des 3310 zu seinem hohen Ansehen bei. Das integrierte T9-Wörterbuch beschleunigte die Eingabe von SMS-Texten, dazu ließen sich für bis zu acht Kontakte "Voice Tags" aufnehmen. So konnte man etwa den Namen einer Person aufnehmen und sie per Sprachkommando direkt anrufen – ei n erster Vorbote der immer umfassender werdenden Fähigkeiten moderner Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Google Home.

Und dann gab es auch noch das Spiele-Equipment. Allen voran "Snake 2" befeuerte den Ehrgeiz vieler Besitzer, sich mit ihrer Pixelschlange immer höhere Rekorde zu erfressen. In Schulklassen wurde regelmäßig um Highscores gerittert. Der große Erfolg der "Snake"-Games blieb freilich auch anderen Herstellern nicht verborgen und so manches Handy der Konkurrenz hatte einen Klon des Geschicklichkeitsspieles an Bord.

Überleben in der Nische

Einschränkend muss natürlich gesagt werden, dass einige der genannten Aspekte auch auf andere Nokia-Mobiltelefone und Handys anderer Produzenten zutreffen. Sehr geschätzt wird bis heute auch der 1999 veröffentlichte Vorgänger, das Nokia 3210.

Im Smartphone-Zeitalter decken Geräte wie das Nokia 3310 allerdings nur noch eine Nische ab. Messenger lösen zusehends die klassische SMS ab, viele Konsumenten schätzen abseits der Vernetzung auch die großen Touchdisplays, integrierte Kamera und die anderen multimedialen Fertigkeiten – auch wenn dies oft tägliches Aufladen bedeutet. "Featurephones", wie die moderne Variante der traditionellen Handys genannt werden, werden primär als Zweitgeräte für Reisen geschätzt oder von Nutzern gekauft, deren Bedarf mit grundlegender Kommunikation unterwegs abgedeckt ist. (gpi, 22.02.2017)

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    foto: martin küttner
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