War in Rio, ist in Lahti

22. Februar 2017, 09:52
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Pita Taufatofua aus Tonga wurde bei den Olympischen Sommerspielen in Rio de Janeiro eher durch die Eröffnung als seinen Taekwondo-Auftritt zum Star. Heute geht der 33-Jährige bei der Ski-WM in Lahti an den Langlaufstart. Sein Ziel: Pyeongchang 2018

Lahti – Als Pita Taufatofua im Dezember 2016 erstmals auf Langlaufskiern stand, hatte der weltberühmte Taekwondo-Kämpfer aus Tonga drei Fragen. "Hält der Helm Kokosnüsse aus?", wollte der 33-Jährige wissen. "Kann ich mit den Stöcken auch Tiere jagen?" Und schließlich: "Wie bremse ich eigentlich?" Taufatofua hat offenbar Antworten auf seine Fragen gefunden, am Mittwoch startet der Exot bei der Nordischen Ski-WM in Lahti.

Popularitätssprung

In Tonga ist Taufatofua eine Art Nationalheld, seit er bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro die Fahne des Königreichs aus dem Südpazifik trug. Taufatofua stolzierte in traditioneller Tonga-Tracht ins Stadion, vor allem aber präsentierte er Millionen TV-Zuschauern seinen muskulösen Oberkörper, den er vorher mit Kokosöl eingerieben hatte. Die Zahl seiner Fans bei Instagram stieg von quasi Null auf 143.000 – mehr, als Tonga Einwohner hat.

Seinen einzigen Kampf in Brasilien hat Taufatofua verloren, er schaffte es aber dennoch in die US-Zeitschrift Sports Illustrated und auf die Liste der erotischsten Männer der Welt des Magazins Who. Taufatofuas neuestes Ziel heißt nun Pyeongchang. Um auch bei den Winterspielen 2018 für Tonga am Start zu sein, wartet bei der WM in Finnland ein erster Härtetest.

"Vor zwei Jahren habe ich das erste Mal Schnee gesehen und mich sofort verliebt", verriet der Mann mit den sechs Vokalen im Namen dem Nachrichtensender CNN. "In Tonga bin ich eher an Sand gewöhnt. Ich möchte allen dort zeigen, dass alles möglich ist." Taufatofuas Geschichte weckt Erinnerungen an das jamaikanische Bobteam, das sich 1988 für die Olympischen Winterspiele in Calgary qualifizierte und in dem Kinofilm Cool Runnings verewigt wurde.

Ob auch seine Geschichte einmal verfilmt wird? "Eines Tages vielleicht", sagte der Quereinsteiger, dessen Experiment gemischte Reaktionen hervorruft. Taufatofua sehe "eingeölt besser aus als mit Skiern an den Füßen", schrieb der zweimalige norwegische Langlauf-Olympiasieger Petter Northug auf Facebook. Immerhin – anders als der ebenfalls aus Tonga stammende Rodler Bruno Banani hat der Langläufer in spe seinen Namen nicht in den eines zahlungskräftigen Sponsors geändert.

Kein Witz, eine Herausforderung

Taufatofua sieht seine Mission nicht als Witz, sondern als Herausforderung. Im Trainingslager im bayerischen Isny holte er sich im Jänner das nötige Rüstzeug, am Mittwoch geht es in Lahti darum, einen Startplatz für das 15-Kilometer-Rennen eine Woche später zu ergattern. Taufatofua trifft in der Qualifikation auf andere Exoten, aber auch auf Läufer mit deutlich mehr Erfahrung. Seine Chancen sind gering, aber was kümmert das einen Mann, der bei Sommerspielen war? "Als Kind hatte ich den Traum von Olympia, und ich habe es geschafft", sagt Pita Taufatofua. "Okay, man muss ein bisschen verrückt sein. Aber ich bin stur. Und ich liebe Herausforderungen." (sid, fri, 22.2.2017)

  • Am 5. August ging Taufatofua in Tonga-Tracht durchs Maracana. Im heutigen Langlaufrennen in Lahti ist er zweifellos anders gekleidet.
    foto: reuters/stoyan nenov

    Am 5. August ging Taufatofua in Tonga-Tracht durchs Maracana. Im heutigen Langlaufrennen in Lahti ist er zweifellos anders gekleidet.

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