Missbrauchsprozess gegen neun Männer

    21. Februar 2017, 16:55
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    Iraker sollen in Wien über Betrunkene hergefallen sein – ihnen drohen zwischen fünf und 15 Jahren Haft

    Wien – Großteils nicht geständig zeigten sich am Dienstag im Straflandesgericht neun Iraker, die in der Nacht auf den 1. Jänner 2016 in Wien eine deutsche Frau in eine Wohnung im zweiten Bezirk Leopoldstadt gebracht und sich dort an ihr vergangen haben sollen.

    Der Prozess wegen sexuellen Missbrauchs einer wehrlosen Person und Vergewaltigung ist auf mehrere Tage anberaumt. Die 28-Jährige war nach Wien gekommen, um gemeinsam mit einer Freundin am Silvesterpfad zu feiern. Weit nach Mitternacht begegneten vier Angeklagte, die ebenfalls in der Innenstadt feierten, der angeschlagenen Frau vor einem Lokal – sie dürfte laut Gutachten wegen eines Blutalkoholgehalts von mehr als zwei Promille kaum ansprechbar gewesen sein. Diesen Umstand nutzten die Iraker aus, indem sie das hilflose Opfer in die Wohnung eines Landsmannes brachten, wo sich weitere fünf Männer aufhielten.

    "Grausamer Entschluss"

    "Ein grausamer Entschluss", sagte Staatsanwältin Karina Fehringer. Es sei den Männern von Anfang an um Sex gegangen. Der Anklage zufolge fielen im kleineren Raum der Zweizimmerwohnung alle neun anwesenden Männer im Alter zwischen 22 und 48 Jahren – acht sind miteinander verwandt oder verschwägert – nacheinander über die Frau her. Alle Männer, darunter ein 22-Jähriger und sein verheirateter Vater, sollen ungeschützt und teilweise mehrmals mit der Frau verkehrt haben. Ein 31-jähriger Vater eines minderjährigen Kindes schoss von sich und der 28-Jährigen noch ein Handyfoto, ehe er sie zu einer Haltestelle in der Nähe brachte. Fahrgäste eines Busses setzten die weinende 28-Jährige schließlich in einem Hotel am Schwedenplatz ab, wo der Portier die Polizei rief.

    Die Angeklagten konnten mittels nachträglicher Ortung des Handys der Frau aufgespürt werden. Von ihnen wurden Mundhöhlenabstriche genommen, die in vier Fällen zu sichergestellten Spermaspuren, in zwei weiteren Fällen zu Speichelspuren passten.

    Posttraumatische Störung

    Die Frau kam im August in stationäre psychiatrische Behandlung, nachdem sich eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hatte. Sie leidet laut Gutachten an Schlafstörungen, depressiver Verstimmung, Schuld- und Schamgefühlen; die Folgen der Tat seien einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen. "Wenn Sie sich fragen, wie es ihr heute geht: sehr schlecht", sagte der Anwalt der 28-jährigen, Lian Kanzler, in Richtung der Medienvertreter.

    Schuld daran sei nicht zuletzt ein am vergangenen Wochenende in der "Kronen Zeitung" erschienener Artikel, in dem ohne ihr Einverständnis identifizierend über die Frau berichtet wurde. Die Angeklagten leugneten die angelasteten Straftaten am Dienstag mit einer Ausnahme. Einer bestritt, überhaupt in der Wohnung gewesen zu sein. Der Älteste erklärte, er habe geschlafen, in der Früh die Frau wahrgenommen und ihr lediglich beim Aufstehen geholfen.

    Einige räumten ein, mit der 28-Jährigen Sex gehabt zu haben. Das sei aber von der Frau ausgegangen. Nur ein 31-Jähriger sagte, er bereue die Tat und schäme sich "sehr stark". Die Verhandlung wurde auf Donnerstag vertagt, die Urteile sind für 2. März geplant. Den Angeklagten drohen zwischen fünf und 15 Jahren Haft. (APA, red, 21.02.2017)

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