Terrorprozess: Syrer prahlte mit Folter durch Dieselinjektionen

21. Februar 2017, 19:31
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Drei Jahre Haft für 23-Jährigen. Mitbewohner im Flüchtlingszelt belastet den Angeklagten.

Salzburg – Höchste Sicherheitsmaßnahmen am Landesgericht Salzburg: Bewaffnete Cobra- und Justizwachebeamte am Eingang und im Gerichtssaal überwachen am Dienstag den Terrorprozess gegen den 23-jährigen Syrer Ahmad Al I. Der Schöffensenat will unerkannt bleiben, die Zeugen wollen nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt werden. Ahmad Al I. soll in einem Zelt des Flüchtlingslagers Wals damit geprahlt haben, Soldaten in Syrien etwa mit Dieselinjektionen gefoltert zu haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, von Herbst 2014 bis Februar 2015 bei der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) als Soldat gedient zu haben. Er wurde im September 2015 verhaftet. Seither sitzt er in Untersuchungshaft. Auf seinem Tablet wurde auch IS-Propagandamaterial gefunden.

Folter von Soldaten in Syrien

Fünf Flüchtlinge, die mit ihm in dem Zelt waren, belasteten den Mann vor Gericht. Aus Angst vor Konsequenzen baten die Zeugen darum, abgesondert vom Angeklagten und von der Öffentlichkeit vernommen zu werden. Der Richter fasste die Aussagen der Mitbewohner dann zusammen. Einhellig erklärten die Zeugen, Ahmad Al I. habe mit Folterhandlungen in Syrien geprahlt. Er habe mehrfach von Gräueltaten erzählt, etwa dass er Soldaten Diesel injiziert habe, um sie zu foltern.

Ahmad Al I. habe sich einer radikalen Gruppe angeschlossen – den sogenannten "Islamischen Staat" nahmen die Zeugen jedoch nicht in den Mund. Einzig von einer Vergewaltigung einer Christin, wie sie ihm der anonyme Kronzeuge vorwirft, habe er vor ihnen nicht geredet.

"Mitbewohner falsch verstanden"

Der 23-jährige Syrer erklärte die Zeugenaussagen so: "Es kann sein, dass meine Mitbewohner das falsch verstanden haben." Diese Dieselgeschichte hätten sie im Fernsehen gesehen. "Aber an diesem Abend war ich sehr betrunken." Er blieb bei seiner Aussage, als Fahrer und für den humanitären Dienst bei der Freien Syrischen Armee gewesen zu sein. Zum Tatzeitpunkt habe er bereits einige Jahre in der Türkei gearbeitet.

Der Lokalchef sagte jedoch bei der Polizei in der Türkei aus, der Mann habe nur zwei Wochen bei ihm gearbeitet. Er erschien als Zeuge erneut nicht vor Gericht. Der Schöffensenat verzichtete schlussendlich auf eine weitere Vernehmung des Zeugen.

Der Schöffensenat verurteilte Ahmad Al I. am Dienstagnachmittag zu drei Jahren Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Anwalt des 23-Jährigen hat Nichtigkeit und Berufung angemeldet. (Stefanie Ruep, 21.02.2017)

  • Strenge Überwachung am Salzburger Landesgericht: Der 23-jährige Syrer soll ein Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" sein. Flüchtlingen soll er von den Gräueltaten erzählt haben.
    foto: ap

    Strenge Überwachung am Salzburger Landesgericht: Der 23-jährige Syrer soll ein Mitglied der Terrororganisation "Islamischer Staat" sein. Flüchtlingen soll er von den Gräueltaten erzählt haben.

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