Der Kreuzfahrtschiffbau boomt

21. Februar 2017, 15:02
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Der Kreuzfahrtschiffbau ist derzeit noch eine europäische Domäne. Chinesen könnten aber auch bald einsteigen

Papenburg – Nicht der gesamte Schiffbau auf der Welt steckt in einer Krise – die Kreuzfahrtnische boomt nach wie vor. Derzeit ist das Segment überwiegend in der Hand europäischer Werften – Experten rechnen aber damit, dass bald auch die Chinesen einsteigen.

Es gibt etwas zu feiern auf der Papenburger Meyer Werft. Dort startet der Bau des ersten von zwei hochmodernen Kreuzfahrtschiffen, die die Rostocker Reederei Aida wieder in Papenburg bauen lässt. Schon von 2007 bis 2013 hatte Aida dort sieben Kreuzfahrtschiffe produzieren lassen. Nachdem zwei weitere Schiffe in der Zwischenzeit bei Mitsubishi Heavy Industries in Auftrag gegeben wurden, kehrt der deutsche Branchenführer Aida nun an die Ems zurück. Dort sollen bis 2020 zwei schwimmende Kleinstädte mit jeweils 2.500 Passagier-Kabinen entstehen – die größten bisher in Deutschland gebauten Kreuzfahrtschiffe. Für die Meyer Werft sind das Aufträge im Milliardenbereich.

In der Nische blühen die Aufträge

Die weltweite Schiffbaubranche steckt im Grunde in der Krise. Der Markt für Massengutfrachter und Containerschiffe ist eingebrochen, in Asien und Brasilien bestehen Überkapazitäten, sagt Kathrin Ehlert-Larsen vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik in Hamburg. Doch in der Nische blühen die Aufträge für Spezial- und Passagierschiffe. Vor allem die Kreuzfahrtindustrie verzeichnet seit Jahren ein Wachstum.

2016 dürften laut Internationalem Kreuzfahrtverband CLIA weltweit 24,2 Millionen Menschen auf Kreuzfahrt gegangen sein, für heuer lautet die Schätzung auf 25,3 Millionen Passagiere. 2017 sind nach Verbandsangaben 26 Jungfernfahrten von 26 neuen Hochsee-, Fluss- und Spezialkreuzfahrtschiffen geplant – das entspricht einer Investitionssumme von 6,8 Milliarden US-Dollar (6,4 Mrd. Euro). Und zwischen 2017 und 2026 erwartet die Branche die Indienststellung von 97 neuen Kreuzfahrtschiffen – das Gesamtinvestitionsvolumen liegt bei 53 Mrd. US-Dollar.

Europäische Werften profitieren

Von diesem Boom profitieren vor allem Werften in Europa. Den Kuchen teilen sich laut aktuellen Zahlen einer Studie der AG Schiffbau für die IG Metall zum Großteil die STX-Werft in Frankreich mit 26,1 Prozent, die Fincantieri-Werft in Italien mit 26,4 Prozent, die Meyer-Werft in Papenburg mit 24,0 Prozent und die ebenfalls zur Meyer-Gruppe gehörende Werft im finnischen Turku mit 13,5 Prozent. Der im vergangenen Jahr gegründete Werftenverbund MV-Werften des malaysischen Genting-Konzerns kommt demzufolge auf einen Anteil von 7,5 Prozent.

Wenn die Kartellbehörden zustimmen, wird demnächst die französische STX-Werft von Fincantieri übernommen. "Im Wesentlichen haben wir dann ein Duopol von Fincantieri/STX auf der einen, und der Meyer-Gruppe auf der anderen Seite", sagt Heiko Messerschmidt, Sprecher der IG Metall Küste.

Sichere Arbeitsplätze im Schiffsbau

Mit Genting wechselt auch ein bisheriger Kunde von Meyer auf die Seite der Schiffswerften. Erst im vergangenen August hatten die Emsländer die "Genting Dream" ausgeliefert – das erste von zwei Neubauten für die asiatische Kreuzfahrtlinie Dream Cruises.

Aber künftig wollen die Malaysier ihre Schiffe selber bauen. Genting hatte drei Werften in Wismar, Rostock und Stralsund im Frühjahr 2016 nach eigenen Angaben für rund 230 Mio. Euro übernommen. In Mecklenburg-Vorpommern will Genting für zunächst 3,5 Mrd. Euro Passagierschiffe bauen lassen, vom Flusskreuzfahrtschiff bis zum Ozeanriesen für 5.000 Passagiere und 2.500 Crewmitglieder. Mit dem Bau der ersten beiden Flusskreuzfahrtschiffe war im August 2016 in Wismar begonnen worden. Sie sollen 2017 ausgeliefert werden. Angekündigte Investitionen von mehr als 150 Mio. Euro in den nächsten Jahren wecken in Mecklenburg-Vorpommern Hoffnungen auf mehr und sichere Arbeitsplätze im Schiffsbau.

Hochkomplexe Schiffe

Auch die zur Meyer-Gruppe gehörende Neptun-Werft in Rostock profitiert von den großen Hochseekreuzfahrtschiffen. Die Werft, deren Schwerpunkt auf dem Bau von Flusskreuzfahrtschiffen liegt, liefert nach Unternehmensangaben auch Module für die Werften in Papenburg und Turku zu. Insgesamt arbeiten in der deutschen Schiffbauindustrie nach Gewerkschaftsangaben rund 90.000 Menschen – 15.600 direkt auf den Werften.

Das Beispiel Genting zeige: Wer schnell eigene Schiffe haben wolle, baue sie am besten selber, sagt Messerschmidt: "Das war wohl der Gedanke dahinter." Allerdings ist der Bau von Kreuzfahrtschiffen auch eine große Herausforderung, mit der sich selbst große, erfahrene Schiffshersteller schwertun können. Die Ablieferung der bei Mitsubishi gebauten "Aidaprima" dauerte wegen Bauverzögerungen ein Jahr länger als ursprünglich geplant. Kreuzfahrtschiffe seien hochkomplexe Schiffe, sagt Ehlert-Larsen. Der Bau von Kreuzfahrtschiffen sei damit auch für Genting eine große Herausforderung.

Indes halten es Experten nur noch für eine Frage der Zeit, bis auch chinesische Werften im großen Stil in den Bau von Kreuzfahrtschiffen einsteigen. "Sie haben im letzten Fünf-Jahresplan angekündigt, es zu tun", sagt Verbandssprecherin Ehlert-Larsen. Laut der Schiffsbaustudie für die IG Metall soll 2021 das erste Kreuzfahrtschiff in China abgeliefert werden, insgesamt sind fünf Schiffe in Planung. Trotz einer guten Ausgangslage wird der Wettbewerb für die Europäer in den nächsten Jahren also nicht einfacher. (Elmar Stephan, APA, dpa, 21.2.2017)

  • Das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" läuft am frühen Morgen des 27.05.2016 in den Hafen in Hamburg ein. Die 345 Meter lange "Königin der Meere" wird am Abend in das Trockendock eingepasst. In der Werft erhält das Schiff nach Unternehmensangaben das größte "Refit-Programm" seit seiner Inbetriebnahme 2004. Dafür soll ein zweisteller Millionenbetrag investiert werden.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Das Kreuzfahrtschiff "Queen Mary 2" läuft am frühen Morgen des 27.05.2016 in den Hafen in Hamburg ein. Die 345 Meter lange "Königin der Meere" wird am Abend in das Trockendock eingepasst. In der Werft erhält das Schiff nach Unternehmensangaben das größte "Refit-Programm" seit seiner Inbetriebnahme 2004. Dafür soll ein zweisteller Millionenbetrag investiert werden.

  • Die "Queen Mary 2" liegt am 14.06.2016 im Trockendock bei Blohm + Voss in Hamburg.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Die "Queen Mary 2" liegt am 14.06.2016 im Trockendock bei Blohm + Voss in Hamburg.

  • Das Kreuzfahrtschiff "Ovation of the Seas" fährt am späten 18.03.2016 in Hamburg in den Hafen und dockt bei der Werft Blohm + Voss für abschließende Arbeiten nach seiner zweijährigen Bauzeit ein.
    foto: apa/dpa/daniel bockwoldt

    Das Kreuzfahrtschiff "Ovation of the Seas" fährt am späten 18.03.2016 in Hamburg in den Hafen und dockt bei der Werft Blohm + Voss für abschließende Arbeiten nach seiner zweijährigen Bauzeit ein.

  • Das neue Flaggschiff "Aidaprima" der Reederei Aida Cruises läuft am 21.04.2016 in den Hafen Hamburg ein und fährt an den Landungsbrücken vorbei. Das Schiff mit Platz für 3300 Passagiere soll 39 Mal in dieser Saison an die Elbe kommen, nach Angaben des Terminalbetreibers Hamburg Cruise Gate ist es der häufigste Gast der Kreuzfahrtsaison.
    foto: apa/dpa/lukas schulze

    Das neue Flaggschiff "Aidaprima" der Reederei Aida Cruises läuft am 21.04.2016 in den Hafen Hamburg ein und fährt an den Landungsbrücken vorbei. Das Schiff mit Platz für 3300 Passagiere soll 39 Mal in dieser Saison an die Elbe kommen, nach Angaben des Terminalbetreibers Hamburg Cruise Gate ist es der häufigste Gast der Kreuzfahrtsaison.

  • Ein Kreuzfahrtschiff-Neubau der Meyer-Werft in Papenburg (Niedersachsen) schwenkt am 18.09.2015 nach dem Passieren der Dockschleuse zu seiner Überführungsfahrt auf die schmale Ems ein. Die Emspassage bis in das niederländische Eemshaven dauert mehrere Stunden.
    foto: apa/dpa/ingo wagner

    Ein Kreuzfahrtschiff-Neubau der Meyer-Werft in Papenburg (Niedersachsen) schwenkt am 18.09.2015 nach dem Passieren der Dockschleuse zu seiner Überführungsfahrt auf die schmale Ems ein. Die Emspassage bis in das niederländische Eemshaven dauert mehrere Stunden.

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