Promotion - entgeltliche Einschaltung

    Macht der Gesundheitswahn krank?

    21. Februar 2017, 14:16

    Der optimierte Mensch ernährt sich bio-organic, vegan, paleo, raw, gluten- und laktosefrei und ohne Zuckerzusatz. Außerdem macht er täglich Yoga und geht zusätzlich ins Fitnessstudio. Die aktuellen Sport- und Ernährungstrends und was eine Diätologin und ein Sportwissenschaftler der FH JOANNEUM dazu sagen.

    Leben ohne Kohlenhydrate

    Manuela Hatz: LowCarb ist ein Dauerbrenner unter den Trenddiäten zur Gewichtsreduktion. LowCarb-Diäten sind schwierig zu kategorisieren, weil die Empfehlungen für die (Nicht)Kohlenhydratzufuhr sehr stark variieren. Da das Gehirn und die roten Blutkörperchen auf die Energie aus Kohlenhydraten angewiesen sind, und kohlenhydratreiche Lebensmittel im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung relevante Quellen für Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe darstellen, empfehlen alle relevanten Ernährungsgesellschaften mindestens 25 Prozent des Energiebedarfs aus Kohlenhydraten zu decken.

    LowCarb-Diäten halten sich vermutlich auch deshalb so hartnäckig, weil sie auf den ersten Blick kurzfristig mit einer durchaus erfolgreichen Gewichtsreduktion punkten. Bei genauerer Betrachtung fällt aber auf, dass die Langzeitergebnisse nicht nur keinen Vorteil hinsichtlich Gewichtsstabilisierung zeigen, sondern zusätzlich auch unangenehme Begleiterscheinungen wie ein höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenerkrankungen, Osteoporose, erhöhte Harnsäurespiegel und Gicht ins Blickfeld rücken. Gesunde Kohlenhydrate gehören also unbedingt auf den Teller.

    Yoga & Co

    Dietmar Wallner: Yoga umfasst geistige und körperliche Übungen. Aus Sicht eines Gesundheitstrainings sind die körperlichen Übungen absolut zu befürworten: Man verbessert Beweglichkeit, Stabilität und Körperkontrolle.

    Superfood

    Manuela Hatz: Wortwörtlich momentan in aller Munde – Chiasamen, Gojibeere oder doch lieber Matchatee? Bei Superfood handelt es sich weder um einen geschützten Begriff, noch gibt es eine Eingrenzung, welche Lebensmittel konkret darunterfallen. Die vermeintlichen Wirkungen auf den menschlichen Organismus sind häufig nur mit einer derart hohen Konzentration der Inhaltsstoffe zu erreichen, wie sie über die Einnahme von Superfood gar nicht gewährleistet werden können. Exotisches Superfood weist darüber hinaus oft eine hohe Pestizidbelastung und lange Transportwege auf, die ökonomische und soziale Nachhaltigkeit ist bei vielen Produkten fraglich.

    Wenn schon Superfood, dann stellen regionale Produkte wie Aronia, Brennessel oder Giersch eine sinnvolle Alternative dar.

    Bodystyling

    Dietmar Wallner: Bei diesem Begriff steht das Streben nach einer, dem Schönheitsideal entsprechenden Körperform im Vordergrund. Das Gesundheitsmotiv spielt eine untergeordnete Rolle. Daher kann man auch nur bedingt von gesundheitsfördernder körperlicher Aktivität sprechen. Krafttraining ist im Gesundheitssport ebenso wichtig wie Ausdauertraining.

    Clean Eating

    Manuela Hatz: Clean Eating will zurück zum Ursprünglichen, zum Naturbelassenen, zu reinen und unverarbeiteten Lebensmitteln und zu möglichst wenig Zusatzstoffen im Essen. "Verboten" sind verarbeitete, industriell hergestellte Lebensmittel, (Halb)Fertigprodukte, Fast Food, Junk Food, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte sowie Lebensmittel mit zugesetztem Zucker und Lebensmittelzusatzstoffen. Als Faustregel gilt: Je kürzer die Zutatenliste, desto besser. Aber Clean Eating ist teils auch oberflächlich – so orientiert es sich fast ausschließlich am individuellen Gesundheitsnutzen und bedeutende Aspekte der Nachhaltigkeit sowie der Genusswert der Ernährung kommen oft zu kurz. Ein Plus an unverarbeiteten, naturbelassenen Lebensmitteln, überwiegend aus pflanzlicher Herkunft unter zusätzlicher Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsaspekts, ist auf jeden Fall begrüßenswert.

    Leistungssport

    Dietmar Wallner: Hier steht der Erfolg im Wettkampf im Vordergrund, gesundheitliche Folgeschäden werden in Kauf genommen. Leistungssport ist klar und deutlich von Gesundheitssport zu unterscheiden.

    Generell ist zu sagen, wenn Bewegung gesundheitsförderlich wirken soll, muss man auf die richtige Dosis – also die Intensität und den Umfang – und funktionelle Bewegungsausführung beziehungsweise Bewegungstechnik achten.

    Manuela Hatz, M.Ed., ist seit 1998 Diätologin und lehrt an der FH JOANNEUM.

    Dietmar Wallner leitet das Sportwissenschaftliche Labor der FH JOANNEUM in Bad Gleichenberg.


    Weiterführende Links:

    Das Department für Gesundheitsstudien der FH JOANNEUM

    Das Sportwissenschaftliche Labor der FH JOANNEUM

    Das Health Perception Lab der FH JOANNEUM

    Mehr zum Thema Superfood

    • Artikelbild
      foto: marion luttenberger
    Share if you care.