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    Von Fake News und Big Data

    21. Februar 2017, 14:16

    Der Journalismus wird seit Jahren auf eine harte Probe gestellt. Digitalisierung, Big Data und ganz aktuell der Fake News-Vorwurf zeichnen die Branche. Die Veränderung bringt aber auch neues Potenzial, beschreibt Robert Gutounig. Er forscht und lehrt am Institut Journalismus und Public Relations der FH JOANNEUM.

    Qualitätsvolle journalistische Arbeit steht gegenwärtig von mehreren Seiten unter Druck. Einerseits besteht mit dem zunehmenden Übergang von der Print- zur Online-Publikation die Schwierigkeit, zahlende Kundinnen und Kunden zu erhalten beziehungsweise neue zu gewinnen. Andererseits werfen einige PolitikerInnen selbst angesehenen Medien wie der New York Times oder CNN vor, bloß "Fake News" zu sein. Diese aktuellen Entwicklungen bergen aber auch ein großes Potenzial für den Qualitätsjournalismus. Es besteht ein nachweisliches Interesse an objektiver, faktenbasierter Berichterstattung, was sich unter anderem an steigenden Abo-Zahlen digitaler Angebote wie der New York Times ablesen lässt.

    Die digitalen Medienformate bieten neue Möglichkeiten für visuelle und nicht-lineare Formen der Berichterstattung, die in herkömmlichen Formaten nicht möglich wären. So breitet sich seit 2009/10 der Datenjournalismus weltweit aus – hauptsächlich ausgehend von angloamerikanischen Ländern. Dabei werden Datensätze mittels zumeist interaktiver Anwendungen für die UserInnen zugänglich gemacht, durch ausgereifte Visualisierungen ist ein schnelles Erfassen großer Datensätze möglich. Neben der technischen Realisierung ist die Orientierung an bestimmten Stories ein zentrales Element. Datenjournalismus versteht sich demnach trotz Einsatz von neuesten Technologien als vorwiegend journalistisches Produkt.

    An diesem Punkt trifft sich klassische Recherchearbeit mit den Technologien, die oft unter dem Begriff "Big Data Analysis" zusammengefasst werden. Dabei handelt es sich um Analysetools für Datensätze, die zu groß oder zu komplex sind, um sie mit herkömmlichen Analysemethoden zu ergründen. So werden etwa bei geleakten Dokumentensammlungen wie den "Panama Papers" Technologien zur Extraktion von Namen, von Entitäten und zur Darstellung ihrer Beziehungen zueinander eingesetzt oder auch Geldflüsse dargestellt.

    Die FH JOANNEUM verfolgt die Entwicklung des Datenjournalismus seit Beginn und hat selbst im Auftrag des Landes Steiermark eine mehrfach preisgekrönte Anwendung realisiert. "Steirische Vielfalt visualisiert" veranschaulicht anhand von drei User-Stories – "Bin ich viele", "Geht´s mir gut?", "Wer unterstützt mich?" – die sozio-demographische Diversität in der Steiermark. Ausgehend von der jeweils eigenen Lebenssituation werden Schritt für Schritt Vergleiche mit anderen möglich. Begleitet wird das Projekt von Datenstories, die von Studierenden verfasst und am Datenblog der FH JOANNEUM veröffentlicht werden.

    Das Projekt "VALiD – Visual Analytics in Data-Driven Journalism" wiederum erforscht den internationalen Status Quo des Datenjournalismus und entwickelt ausgehend davon Tools für Journalistinnen und Journalisten. Damit können komplexe Datensätze in einer Art und Weise visualisiert werden, dass daraus neue Erkenntnisse und investigative Stories entstehen können. Ein erstes Resultat ist das Medientransparenz-Dashboard, mit dem Geldflüsse von öffentlichen österreichischen Einrichtungen an Medienunternehmen visualisiert werden können.

    • Artikelbild
      foto: manfred terler
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