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    Wozu Datenschutz? Wird Datenschutz heute noch ernst genommen?

    21. Februar 2017, 14:16

    Sabine Proßnegg, Lehrende am Institut Internet-Technologien & -Anwendungen der FH JOANNEUM, über das starke Bedürfnis nach Privatsphäre, leichtfertige Datenbereitstellung, VerbraucherInnenrechte und digitale Spielzeuge für alle Altersgruppen.

    Die Digitalisierung beinahe all unserer Lebensbereiche bringt große Vorteile, viele Annehmlichkeiten und auch Freiheiten mit sich. Das muss nicht weiter ausgeführt werden, wir alle nutzen sie. "Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten", sagte jedoch auch schon Goethe. Daten sind mittlerweile ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor und es ist für Nutzerinnen und Nutzer unmöglich zu wissen, welche Daten von wem zu welchen Zwecken wo gesammelt, gespeichert und letztlich verwertet werden.

    Dem steht ein in Europa beinahe schon traditionell und scheinbar ungebrochen starkes Bedürfnis nach Privatsphäre und Datenschutz gegenüber. Gerade junge Menschen, die neue Medien und digitale Devices tendenziell aktiver nutzen, sind durchaus bereit hier ihre Rechte einzufordern. Da die Digitalisierung aber keine nationalen Grenzen kennt und einzelne Staaten bei der Durchsetzung von Datenschutzrichtlinien oft an ihre Grenzen stoßen, spielt die Europäische Union im Bereich des Datenschutzes in Europa eine immer wichtigere Rolle.

    Als Gesetzgeberin hat sie dieser Rolle zuletzt mit der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) Rechnung getragen. Für den Rechtsschutz ist der Europäische Gerichtshof (EuGH), auch im Zusammenspiel mit nationalen Höchstgerichten, von Bedeutung. Dieser liefert laufend wichtige Beiträge zum stärkeren Schutz, zuletzt etwa zum Thema Verbraucherrechte im Netz (Urteil des EuGH Vorabentscheidung vom 27.7.2916, Rechtssache C-191/15, Verein für Konsumenteninformation/Amazon).

    Die Problematik dabei ist und bleibt, dass von Personen oftmals unbedacht und leichtfertig Daten zur Verfügung gestellt werden. Dies kann einerseits aktiv durch Selbsteingaben wie bei der Nutzung sozialer Netzwerke sowie von Gesundheits- und Trainingsapps geschehen, andererseits passiv und weitgehend unbemerkt, lediglich durch das Tragen beziehungsweise Nutzen internetfähiger Geräte. Dass hier unternehmerischer Kreativität kaum Grenzen gesetzt sind, wird laufend unter Beweis gestellt. Digitale Spielzeuge für Kinder, etwa Puppen, die wie Spione im Kinderzimmer agieren, Spiele wie "Pokémon GO", die speziell auf ein jugendliches Zielpublikum zugeschnitten sind, sowie demnächst auch ein älteres Publikum ansprechende künstliche Lebenspartnerinnen und Lebenspartner oder auch sogenannte "Care-O-bots" im Pflegebereich.

    Während beim aktiven Nutzen bereits einiges an Tools zur Verfügung steht und laufend Bewusstseinsbildung betrieben wird, liegt im letzteren Bereich noch vieles im Dunkeln. Hier sind ebenfalls Wachsamkeit, Aufklärung und weitere Aktivitäten gefragt. Nur eine Option gibt es nicht: die Entwicklungen betreffend Digitalisierung zu ignorieren.

    • Artikelbild
      foto: stefan leitner
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