Der lange Schatten hinter Finnlands Langlauf

    21. Februar 2017, 12:37
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    Dopingskandal 2001 warf Suomi weit zurück – Sechs Langläufer bei Heim-WM des Dopings überführt – Cheftrainer, Teamarzt involviert

    Lahti – Sie siebtgrößte Stadt Finnlands, ungefähr 100 km nördlich von Helsinki gelegen, ist ab Mittwoch erstmals seit 16 Jahren wieder Schauplatz von Nordischen Ski-Weltmeisterschaften. Das Langlaufteam trägt die finnischen Hoffnungen auf Edelmetall. Es hat lange gedauert, bis sich eine neue Generation an der Spitze etablierte. Der Dopingskandal der WM 2001 mit sechs überführten Finnen hatte Suomi erschüttert und im Langlauf weit zurückgeworfen.

    Harri Kirvesniemi, der Namensgeber des damaligen Maskottchens der WM, Olympiasieger Mika Myllylä, Jari Isometsä und Virpi Kuitunen waren die Stars der Titelkämpfe 2001 in Lahti. Sie alle wurden während bzw. nach der WM der Verwendung verbotener Methoden und Substanzen überführt und von der FIS je zwei Jahre gesperrt.

    Dopingtests auf EPO waren damals noch nicht ausgereift, kontrolliert wurden die Athleten daher auf Einhaltung der Hämatokrit-Grenzwerte. Den sechs Finnen wurde damals nachgewiesen, den verbotenen Plasma-Expander HES zur Manipulation verwendet zu haben. Damit hatten sie den durch die EPO-Verwendung erhöhten Wert abgesenkt.

    Anfang vom finnischen Ende

    Das Unheil für die Gastgeber nahm nach dem zweiten Herren-Bewerb, dem Jagdrennen, seinen Lauf. Isometsä wurde positiv getestet und verlor die Silbermedaille. Die Herren-Staffel verlor wenige Tage später sogar Gold, denn Janne Immonen wurde ebenfalls die Verwendung von HES zum Verhängnis.

    Am Abend nach dem Staffelsieg testete die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) das gesamte finnische Team. Dabei wurden auch noch die Helden-Status genießenden Läufer Kirvesniemi und Myllylä sowie Kuitunen und Milla Jauho (die Damen-Staffel verlor deshalb Silber) überführt.

    Tasche mit Dopingsubstanzen bei Tankstelle gefunden

    Wie erst nach den Titelkämpfen bekannt wurde, war eine Woche vor WM-Beginn eine mit Dopingmitteln gefüllte Tasche eines Mannschaftsarztes an einer Tankstelle in Helsinki gefunden und bei der Polizei abgegeben worden. In einem von der Regierung angeforderten Untersuchungsbericht nach der WM wurde untermauert, dass die unerlaubten Substanzen auf Anordnung der Trainer und mit Wissen des Teamarztes und des finnischen Verbandes (FSA) verwendet worden waren.

    Cheftrainer Kari-Pekka Kyrö legte später ein Geständnis ab. Er erhielt wegen Weitergabe verbotener Substanzen eine Bewährungsstrafe und eine geringe Geldstrafe. Myllylä, der nach seiner Karriere unter Alkoholproblemen litt, wurde im Sommer 2011 in seinem Haus tot aufgefunden. Harri Kirvesniemi ist dem Langlauf über die Skifirma Karhu weiter verbunden und Kuitunen ist bei der heurigen WM als Co-Kommentatorin für das finnische TV im Einsatz.

    Sie wird über die neue Generation berichten. Krista Pärmäkoski, die Zweite der Tour de Ski, führt das Damen-Team an. Bei den Herren ist Matti Heikkinen ein Medaillenkandidat. (APA, 21.2.2017)

    • Matti Heikkinen ist bei der WM in Lahti eine finnische Medaillenhoffnung.
      foto: apa/afp/fabrice coffrini

      Matti Heikkinen ist bei der WM in Lahti eine finnische Medaillenhoffnung.

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