Körperliches Training hilft auch bei Herzschwäche

21. Februar 2017, 14:56
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Körperliche Aktivität führt bei Herzschwäche-Patienten nicht – wie bisher angenommen – zu einer schädigenden Erweiterung der Herzkammer, sagen Forscher

München – Die Prognose bei Herzinsuffizienz ist schlecht und vergleichbar mit manchen Krebserkrankungen. Denn: Ein schwacher Herzmuskel ist nicht mehr in der Lage, den Körper ausreichend mit Blut und Sauerstoff zu versorgen. "Für Herzinsuffizienz stand bisher die medikamentöse Therapie im Vordergrund. Ergänzt wurde dies durch einen Herzschrittmacher, der die Kontraktion des Herzmuskels optimiert und einen Defibrillator – beides soll einen plötzlichen Herztod durch Herzrhythmusstörungen verhindern", sagt Martin Halle vom Lehrstuhl für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München.

Körperliches Training wurde Erkrankten lange strikt verboten, da Mediziner befürchteten, dass sich dadurch die Pumpfunktion des Herzens weiter verschlechtert. Doch in den vergangenen Jahren haben Studien gezeigt, dass ergänzendes körperliches Training belastbarer macht und weitere Klinikaufenthalte reduziert.

Für eine Studie, die kürzlich im Journal "Circulation der American Heart Association" erschienen ist, untersuchten Mediziner in neun europäischen Zentren, wie sich unterschiedliche Trainingsformen auf das geschädigte Herz auswirken. "Wir konnten zeigen, dass eine moderate Sporttherapie die Prognose von Erkrankten deutlich verbessert", so das Fazit der Studienautoren.

100 Schritte pro Minute

Im Rahmen der Untersuchung wurden zwischen 2009 und 2014 insgesamt 261 Patientinnen und Patienten mit Herzinsuffizienz in drei Gruppen eingeteilt. Die Probanden absolvierten 52 Wochen lang verschiedene Trainingseinheiten. Zunächst wurde mit allen drei Gruppen über drei Monate ein von Medizinern betreutes Training durchgeführt und zusätzlich eine Empfehlung zur Fortführung der Intervention für weitere neun Monate gegeben.

Das Ergebnis: Patienten, die zwölf Wochen lang an einem überwachten moderaten Training teilnahmen, erzielten bessere Effekte als diejenigen, die alleine trainierten. "Wir konnten eine Verkleinerung der linken Herzkammer und damit eine Verbesserung der Pumpfunktion beobachten. Zudem verbesserte sich ihre allgemeine körperliche Verfassung", sagt Studienleiter Halle.

Ein Detailergebnis: Es konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen einem Intervalltraining bei hoher Intensität oder einem regelmäßigem Standardtraining bei moderater Intensität festgestellt werden. Moderates Training bedeutet in diesem Fall rund 100 Schritte pro Minute oder 3.000 Schritte in einer halben Stunde. "Regelmäßiges körperliches Training bei moderater Intensität ist allen Patienten mit systolischer Herzinsuffizienz zu empfehlen. Von höheren Intensitäten würde ich persönlich jedoch abraten bis wir mehr darüber wissen und auf Langzeitzahlen zurückgreifen können", resümiert Martin Halle. (red, 21.2.2017)

  • Vor körperlichen Anstrengungen wurde Herzinsuffizienz-Patienten häufig abgeraten. Eine Studie hat nun gezeigt, dass regelmäßiges und moderates Training auch in solchen Fällen einen positiven Effekt hat.
    foto: apa/dpa/thomas warnack

    Vor körperlichen Anstrengungen wurde Herzinsuffizienz-Patienten häufig abgeraten. Eine Studie hat nun gezeigt, dass regelmäßiges und moderates Training auch in solchen Fällen einen positiven Effekt hat.

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