"Der Nächtliche Besucher": Satanische Riten

21. Februar 2017, 10:42
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Schauerromantik vergangener Jahrhunderte: Inspectora Salazar fühlt, dass mit der Familie, in der es einen plötzlichen Kindstod gab, etwas nicht stimmt

Im Baskenland, so suggeriert uns Dolores Redondo, ticken die Uhren anders. Sie muss es wissen, denn sie ist dort geboren. Es scheint, als hätte hier ein restriktiver Katholizismus nur einen dünnen Schleier über die alten Götter gebreitet, die dort seit Urzeiten mächtig sind. Jedenfalls glaubten das die Angehörigen einer morbiden Sekte, keine Loser, sondern angesehene Mitglieder der Gesellschaft.

Genau das macht für Inspectora Salazar den Job schwer. Plötzlicher Kindstod ist eine Diagnose, die unverdächtig scheint, aber Salazar fühlt, dass mit der trauernden Familie etwas nicht stimmt. Als statt der Leiche des Kindes Zuckersäcke im Sarg liegen, ist Salazar alarmiert, hat sie doch selbst eine düstere Familiengeschichte mit einer bösartigen Mutter und einer im Säuglingsalter verstorbenen Zwillingsschwester.

Redondos Krimi erinnert an die Schauerromatik vergangener Jahrhunderte. Gräber, Unwetter, ein satanischer Liebhaber – das ist fast zu viel an Zutaten – und dennoch funktioniert der Text, auch wenn er im 21. Jahrhundert spielt. (Ingeborg Sperl, Album, 21.2.2017)

Dolores Redondo, "Der Nächtliche Besucher". Deutsch: Matthias Strobel. € 11,40 / 560 Seiten. Bastei Lübbe, München 2017

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Krimiblog

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    foto: bastei lübbe
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