Milo Yiannopoulos: Posterboy der US-Rechten kündigt bei "Breitbart"

21. Februar 2017, 23:10
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"Breitbart"-Ikone und Internetprovokateur wurde nach dem Auftauchen eines alten Interviews von Konservativen-Konferenz ausgeladen

Ein Kommentar über Pädophilie wurde dem umstrittenen US-Internetprovokateur Milo Yiannopoulos zum Verhängnis. Er lege "mit sofortiger Wirkung" seine Arbeit als Redakteur für "Breitbart" nieder, sagte der Blogger und bekennende Fan von US-Präsident Donald Trump am Dienstag vor Journalisten in New York.

Der 33-Jährige, einer der bekanntesten Autoren des rechtspopulistischen Webportals "Breitbart", hatte in einem schon Anfang 2016 erschienenen – und auf Youtube nachzusehenden – Interview darüber philosophiert, dass 13-jährige Buben durchaus einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit älteren Männern haben könnten.

Die "willkürliche und unterdrückende Idee von Einvernehmlichkeit" sei das eigentliche Problem, so Yiannopoulos, der seine eigene Homosexualität offensiv thematisiert. Manche Beziehungen zwischen Teenagern und Erwachsenen würden den Jüngeren sogar helfen, sich selbst zu entdecken.

"Besessen von Missbrauch"

Zum Thema des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Kirchenleute fällt dem griechischstämmigen und in Südengland aufgewachsenen Katholiken nur ein, dass er "Pastor Michael dankbar" sei, ohne den er "heute nie so gut beim Oralsex" wäre. Und schließlich: "Wir sind besessen von Missbrauch, wir sind besessen von diesem Kindesmissbrauchszeug".

Während Yiannopoulos bisher seine Rolle als wohlgelittenes Enfant terrible der US-Konservativen mithilfe seiner eloquent dargelegten Breitseiten gegen Frauen, Minderheiten, Juden und Linke ganz im Sinne der neofaschistischen Alt-Right-Bewegung auszufüllen verstand, könnte er nun einen Schritt zu weit gegangen sein.

Nicht etwa die von Präsident Donald Trump so gern gescholtene arrivierte Presse stellte nämlich das ein Jahr lang kaum beachtete Interview nun in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, sondern die konservative Webseite "The Reagan Battalion". Und auch bei seinem Arbeitgeber "Breitbart" scheint man sich nach dem jüngsten Tabubruch Gedanken zu machen, ob die Zusammenarbeit noch Zukunft hat. Ein Verlag hat ein Buchprojekt Yiannopoulos', der sich selbst als kulturlibertären Kämpfer für die Meinungsfreiheit betrachtet, nach dem Eklat auf Eis gelegt. Und die prestigeträchtige Conservative Political Action Conference, bei der der Journalist über Zensur auf dem College-Campus hätte sprechen sollen, strich Yiannopoulos kurzerhand von der Rednerliste. Schon im vergangenen Sommer hatte Twitter den Journalisten nach seiner Beschimpfung einer afroamerikanischen Schauspielerin vorübergehend gesperrt.

Emsiges Zurückrudern

Donald Trump, der vor wenigen Wochen noch laut über die Streichung von Zuschüssen für eine kalifornische Universität nachdachte, die eine geplante Rede Yiannopoulos' auf dem Campus in Berkeley nach gewaltsamen Protesten abgesagt hatte, hat sich zu der Causa bisher nicht geäußert. Yiannopoulos selbst beeilte sich am Montag, die Vorwürfe zurückzuweisen. "Ich möchte einmal mehr meine absolute Abscheu für Erwachsene zum Ausdruck bringen, die Minderjährige missbrauchen."

Das Video, das seiner Karriere nun womöglich einen Dämpfer versetzt, sei aber absichtlich irreführend geschnitten worden, gab er sich gegenüber seinen 1,9 Millionen Fans auffallend wortkarg. Um dann nachzuschießen: "Ich habe Schlimmeres durchgemacht. Dies wird mich nicht aufhalten", bevor er dann doch zurücktrat.

Bei seiner Pressekonferenz in New York erklärte Yiannopoulos am Dienstag, "Breitbart" habe ihm zur Seite gestanden, "als andere eingeknickt sind". Es wäre nun "falsch", mit seinem Fall von den "wichtigen Berichten meiner Kollegen abzulenken". Die Entscheidung darüber, bei "Breitbart" auszutreten, habe er allein getroffen.

Das Portal erklärte, es akzeptiere den Rückzug. Yiannopoulos habe gleichwohl "dringend nötige Debatten über wichtige kulturelle Themen angestoßen". (flon, 21.2.2017)

  • Exzentriker mit Hang zum Rechtsextremismus: Milo Yiannopoulos.
    foto: jeremy papasso/daily camera via ap, file

    Exzentriker mit Hang zum Rechtsextremismus: Milo Yiannopoulos.

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