Globaler Internethandel kommt in Fahrt

20. Februar 2017, 10:51
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DHL-Studie: Bis 2020 Wachstum im grenzüberschreitenden elektronischen Handel von 25 Prozent jährlich auf rund eine Billion Dollar

Der boomende Online-Handel hält die Logistikbranche unter Dampf. Dabei gerät auch die grenzüberschreitende Verteilung der Waren immer mehr in den Strudel des E-Commerce. Konzerne wie Post DHL oder FedEx wittern in der globalen Industrie große Wachstumschancen.

Wachstumstreiber Expressgeschäft

"Wir sind Amazon Prime" – Markus Reckling ist nicht gerade bescheiden, wenn er auf die Logistik-Ambitionen des US-Online-Riesen bei der Paket-Zustellung angesprochen wird. Der 48-jährige Manager führt seit Kurzem bei der Deutschen Post den Bereich DHL-Express Germany. Neben der Paketsparte gehört das Expressgeschäft, befeuert durch den boomenden Online-Handel, zu den großen Wachstumstreibern und Gewinnbringern des gelben Riesen. Amazon sei ein wichtiger Kunde und Wachstumstreiber der Branche, räumt Reckling ein, aber kein ernsthafter Konkurrent in der Zustellung.

Exklusives und Exzellentes liefern, das hat sich auch DHL Express auf die Fahnen geschrieben. Hinzu kommt das Ausliefern von Waren mit zeitgenauer internationaler Zustellung in einem Netz, das sich über alle Kontinente und Länder der Erde erstreckt. Rund 250 Frachtmaschinen transportieren allein bei DHL rund 750.000 Sendungen pro Tag in alle Länder der Erde. Reckling: "Nur in Turkmenistan sind wir nicht vertreten".

Kein Wunder, dass die dynamische Entwicklung des E-Commerce die Phantasie der Logistiker beflügelt. Ausbau der Netze, neue Verteilzentren, die Erweiterung großer Drehkreuze und Übernahmen charakterisieren die Branche. Das Expressgeschäft gilt mit seinen Gewinnmargen als Goldesel der Logistiker. Allein bei der Deutschen Post ist Express mit 13,7 Mrd. Euro (2015) Umsatz zwar der kleinste, aber mit gut 10 Prozent Rendite der profitabelste Bereich. Ein großer Teil der Erlöse wird dabei außerhalb des Euroraums erwirtschaftet, rund 5 Mrd. Euro allein in Asien.

Konkurrenten

In dem lukrativen Geschäft mischen aber auch andere mit – zum Beispiel der US-Gigant FedEx. Das Unternehmen gibt in den USA mit UPS den Ton an, DHL Express ist vor allem in Europa und Asien stark. Seit der Übernahme der niederländischen TNT im vergangenen Jahr macht sich FedEx in Europa zunehmend breit.

Durch den Erwerb "können wir ein äußerst bemerkenswertes europäisches Straßennetzwerk zu dem bereits bestehenden Flugnetzwerk in Europa und rund um die Welt hinzufügen", heißt es im dem erst vor wenigen Tagen veröffentlichten FedEx Report zu den Exportaktivitäten von kleinen und mittleren Unternehmen. Und auf diese hat es der Logistikkonzern besonders abgesehen.

Zwar hat in der Expresssparte in den vergangenen Jahren das Geschäft mit Endkunden deutlich zugelegt – von 2013 bis 2016 beziffert DHL die Zunahme des Anteils von 10 auf mehr als 20 Prozent – doch bleibt das Geschäft zwischen Unternehmen wichtigstes Standbein. Immer mehr Betriebe erkennen die Vorteile des Online-Handels. Einige Bereiche wie Autozulieferung, Energiebereich, Gesundheit und Pharmazie seien schon heute vom Expressversand abhängig.

Schnellere Lieferung gefordert

Dabei stellen auch Unternehmen die Zustellerbranche auf eine harte Probe: Sie fordern vor allem einen schnelleren Lieferservice. Nicht wenige würden dafür auch mehr zahlen, heißt es in dem FedEx-Bericht. Und die überragenden Rolle des Online-Handels fasst der Bericht wie folgt zusammen: "Die Verschmelzung digitaler mit physischen Netzwerken bedeutet, dass die Welt noch stärker verbunden ist und noch mehr Exportmöglichkeiten bietet".

In einer eigenen Studie mit dem Titel "Der Gewürzhandel des 21. Jahrhunderts" sagt die Deutsche Post DHL ein weltweites Wachstum im dem Bereich bis 2020 von jährlich 16 Prozent auf 4,5 Billionen Dollar voraus. Dabei soll der grenzüberschreitende elektronische Handel in dem Zeitraum diesen Zuwachs mit einem Plus von 25 Prozent jährlich auf rund 1 Billion Dollar (939 Mrd. Euro) deutlich übersteigen. "Alles deutet darauf hin", schlussfolgern die Autoren, "dass die Nachfrage nach ausländischen Produkten auch nach 2020 nicht nachlassen wird". (APA, 20.2.2017)

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