"The Frostrune" im Test: Point-&-Click-Adventure zum Schwärmen

    Test20. Februar 2017, 10:16
    49 Postings

    Wikinger-Abenteuer veredelt sein klassisches Konzept durch umwerfend stimmungsvolle Präsentation und Seele

    Dass alte Spielkonzepte noch ihren Reiz besitzen, haben hunderte Indie-Spiele der letzten Jahre bewiesen. Ganz abseits des "schneller, höher, weiter" des großen Blockbusterzirkus überraschen kleine Entwickler alte Fans, aber auch neugierige Spätgeborene mit dem Wiederauflebenlassen von Spielideen und Mechaniken, die zum Teil schon lang vergessen waren. Freunde der Point&Click-Puzzler "Myst" und "The 7th Guest" konnten sich letztes Jahr über "Obduction" oder auch das spezielle "The Witness" freuen, doch das aktuelle Adventure "The Frostrune" (iOS, Android, ab 4,99 Euro; Windows, Mac 9,99 Euro) geht sogar noch einen (technischen) Schritt weiter zurück in die Spielevergangenheit.

    Statt freie Bewegung zu erlauben, führt ein Klick von Bild zu Bild. Dennoch kann die Präsentation begeistern: Die wunderschönen, handgezeichneten Schauplätze sind stimmungsvoll animiert und lassen die Mythenwelt Skandinaviens lebendig werden. Die norwegischen Entwickler greifen tief in den Mythenschatz ihrer Heimat und gehen so weit, die Sprachausgabe und Inschriften in Altnordisch zu belassen und mit Untertiteln zu versehen. Als 13-jähriges Mädchen an der Küste einer fremden Insel gestrandet, finden Spielerinnen und Spieler eine verlassene Wikingersiedlung, die von magischem Frost entvölkert wurde.

    Klassiker mit Wow-Effekt

    Spielerisch ist altbekannte Rätsel- und Puzzlekost angesagt: Durch den richtigen Einsatz von Gegenständen lassen sich Hindernisse überwinden, meist logisches Kombinieren von Hinweisen führt die düstere Geschichte um magische Wesen aus der nordischen Folklore voran. Was "The Frostrune" aber zum Erlebnis macht, ist die offenkundige Liebe zu seinem Thema und die umwerfende Atmosphäre, die mit einfachen Mitteln eindrucksvoll zur Geltung kommt. Die grafische Präsentation, aber auch der Hintergrundsound und vor allem die seltene, aber dann umwerfende Musik erheben das Spiel weit über alle Vertreter des verwandten, besonders auf Mobile-Plattformen beliebten "Hidden Object"-Genres.

    Der Schauplatz der Suche nach Antworten ist relativ klein, doch dank der bald erworbenen Fähigkeit, auch die "Geisterwelt" zu besuchen, ist auch die Rückkehr zu bereits erforschten Orten sinnvoll und überraschend. Nur selten ist für die Lösung der jeweiligen Rätsel magisches Um-die-Ecke-Denken nötig, meist genügen Logik und aufmerksame Beobachtung der Umwelt. Ganz trivial sind besonders die späteren Rätsel allerdings nicht geraten; falls sich die Lösung einmal doch nicht erschließt, sorgt ein vorbildliches Hinweissystem direkt im Hauptmenü für Abhilfe.

    snow cannon games
    Trailer zu "The Frostrune".

    Ein Fest für Auge und Ohren

    Wer das altehrwürdige Genre liebt, sollte allein wegen der außergewöhnlichen Präsentation ein Auge auf "The Frostrune" werfen – als Gesamtpaket von stimmungsvoller grafischer Gestaltung und wirklich außerordentlicher, Sound- und Musikkulisse ist das norwegische Spiel ein absoluter Genuss. Dank des hilfreichen Hint-Systems können sich aber auch Adventure-Einsteiger in dieses kompakte, aber eindrucksvolle Wikingerabenteuer wagen. (Rainer Sigl, 20.2.2017)

    "The Frostrune" ist für iOS und Android ab 4,99 Euro und für Windows und Mac für 9,99 Euro erhältlich.

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

    Links

    The Frostrune

    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    • Artikelbild
      bild: the frostrune
    Share if you care.