Glosse "Wortkunde": Gratiszeitung

    19. Februar 2017, 11:00
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    Ob sie nur nichts kosten oder gar umsonst sind, darüber gehen die Meinungen auseinander

    Wir möchten nicht hochnäsig erscheinen, aber wir müssen über einen Begriff reden, der uns ein wenig betrifft. Es geht um Gratiszeitungen. Diese sind sogenannte Mitbewerber. So sagt man heute, weil irgendwer das Wort Konkurrent als zu kriegstreiberisch empfand. Was sind Gratiszeitungen? Es sind Zeitungen, die nichts kosten. Österreich, das Land, hat mehrere solcher Hefte, viele davon sind Bezirks- oder Stadtzeitungen, mitunter verdiente Blätter.

    Die zwei bekanntesten heißen "Österreich" und "Heute". Neu sind beide nicht, und da ist nicht nur das gestrige "Heute" gemeint, sondern das Phänomen der Gratiszeitung als solches. 1906 soll das erste derartige Periodikum in Australien erschienen sein. Auch in Österreich, dem Land, sind derlei Blätter nicht neu. Aber früher gab es die Gratiszeitung nur am Wochenende, wo hingegen "Österreich", die Zeitung, und "Heute", heutzutage immer gratis sind.

    Ob sie nur nichts kosten oder gar umsonst sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Gut, das korrekte Datum findet sich fast immer in diesen Blättern, und das ist nicht nichts, das muss man neidlos zugeben. Doch anerkennt man seriöse Information als Währung des Alltags, kommt man als Leserin oder Leser sehr schnell auf der Sollseite zu liegen.

    Immerhin, die Kinder erfreuen sich dieser Hefte. Kindern im Vorschulalter gelten sie als beliebtes Bastelmaterial, wohlfeil, schön bunt, das freut die Kleinen. Sobald sie lesen können, sollte man sie aber von diesen Periodika fernhalten. Doch das gelingt nicht immer, das zeigt eine Studie.

    Österreich, das Land, ist unter den Gratiszeitungslesern Weltmeister. Das erklärt den Zustand des Landes, sind derlei Skandalisierungs- und Erregungsblätter doch nur in homöopathischen Dosen oder zum Zwecke der Satire als halbwegs unbedenklich einzustufen. Sogar der Wald leidet.

    Unter heimischen Bäumen, das zeigt eine andere Studie, gilt es als schlimmster Albtraum, als "Österreich" oder "Heute" wiedergeboren zu werden. Sogar Rindenmulch oder das Brett vorm Kopf genießen unter Fichten und Tannen höhere Sympathiewerte. (flu, 19.2.2017)

    • Unter heimischen Bäumen, das zeigt eine andere Studie, gilt es als schlimmster Albtraum, als "Österreich" oder "Heute" wiedergeboren zu werden.
      foto: christian fischer

      Unter heimischen Bäumen, das zeigt eine andere Studie, gilt es als schlimmster Albtraum, als "Österreich" oder "Heute" wiedergeboren zu werden.

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