Honda Civic: Versuch der Sportlichkeit

20. Februar 2017, 11:10
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Kein Biedermann, aber auch kein Brandstifter. Honda versucht Sportlichkeit und Vernunft zu vereinbaren

Barcelona – Honda ist aus österreichischem Blickwinkel gewissermaßen eine exklusive Marke, jedenfalls was die Autos anbelangt. Dabei darf man nicht übersehen, dass Honda der größte Motorenhersteller der Welt ist und auch der größte Motorradhersteller, falls es nicht in China oder Indien irgendeinen gibt, der noch mehr Zweiräder oder Dreiräder oder sonst was Rädriges verkauft, und wir wissen bloß nix davon.

Fixe globale Größe

Der Civic ist global gesehen eine fixe Größe seit Jahrzehnten, und er hat das übliche automobile Größenwachstum am gründlichsten mitgemacht. Gestartet ursprünglich schon in den 1970er-Jahren als Kleinwagen unterhalb der Golf-Klasse, stellt der Civic jetzt die Obergrenze der Kompaktklasse dar. Er ist nach neuerlichem Größenwachstum über 4,5 Meter lang, damit hätten wir ihn vor gar nicht langer Zeit noch zu den großen Limousinen gezählt.

foto: honda

Der Civic wird zwar in Europa, nämlich im großbritannischen Werk Swindon, gebaut und von dort in die ganze Welt geliefert, die Anbiederung an unseren Geschmack hält sich aber in Grenzen. So ist er auch eher als Weltauto angelegt und zielt ohne Umschweife auf amerikanische und asiatische Stilvorstellungen. Doch davon haben wir Europäer auch was, nämlich ein Auto, das für unsere Begriffe von Formgebung ein wenig gegen den Stich gebürstet ist, also alles andere als eintönig.

foto: honda

Den neuen Civic gibt es ab 25. März als fünftürigen Kompaktwagen und ab Mai als viertürige Limousine, ein Kombi ist nicht mehr geplant, in diesem Segment versprechen mittlerweile die SUVs mehr Erfolg. Auch als Diesel wird er gegen Ende des Jahres zu haben sein. Zum Auftakt aber stehen zwei hochmoderne Direkteinspritzturbobenziner zur Wahl, nämlich ein Einliter-Dreizylinder mit 129 PS und ein Vierzylinder mit 182 PS, wobei sich bei ersten Tests die schwächere Version als durchaus ausreichend motorisiert erwies, gleichermaßen komfortabel wie spritzig.

simulierendes CVT-Getriebe

Beide Motoren können entweder mit einem manuellen Sechsganggetriebe oder mit einer CVT-Automatik kombiniert werden. Die CVT-Automatik, die in üblichen Auslegungen den Motor unter Last aufbrüllen lässt, ist hier sehr gut auf die Talente der Aggregate abgestimmt und simuliert sieben Gangstufen, was unserem Geräuschempfinden sehr entgegenkommt.

foto: honda

Bei der Variante mit Schaltgetriebe spürt man ganz deutlich, wie der kleine Turbolader von unten heraus viel Drehmoment liefert, bei höheren Drehzahlen stützt sich die Maschine dann wie ein klassischer Saugmotor auf die Drehzahl, mit erquickender Drehfreude.

Tiefer Schwerpunkt

In der Grundgeometrie wurde sehr viel Wert auf Sportlichkeit gelegt, so sitzt der Fahrer tiefer als beim Vorgänger, und auch der Schwerpunkt liegt tiefer. Auffällig auch das sehr präzise, direkte und exakte Lenkgefühl.

foto: honda

Die Gestaltung des Innenraumes ist konventionell, die Rücksitzbank 60:40 umklappbar, und der Kofferraum mit knapp 500 Liter riesig, vor allem dann, wenn man den Civic noch als Kompaktwagen sieht.

foto: honda

Das Armaturenbrett ist in Form eines LCD-Monitors gestaltet, in der Mitte befindet sich wie heute üblich die Kommandozentrale mit Sieben-Zoll-Touchscreen und einer einigermaßen durchschaubaren Bedienlogik. Die Materialanmutung ist in Ordnung, die Verarbeitung durchwegs exakt. (Rudolf Skarics, 20.2.2017)

foto: honda

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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