Bio soll kräftig ausgebaut werden

17. Februar 2017, 13:48
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Die Zahl der Biobauern ist nach Jahren der Stagnation 2016 wieder gestiegen. Aufholbedarf herrscht in der Gastronomie

Wien/Nürnberg – Die Bauernvertreter von Bio Austria wollen in den kommenden Jahren die biologische Landwirtschaft in Österreich kräftig ausbauen. Der Bio-Anteil an der Gesamtfläche soll von rund 22 Prozent – dem höchsten Wert in der EU – bis 2025 auf 30 Prozent steigen, sagte Bio-Austria-Obfrau Gertraud Grabmann bei der Biofachmesse in Nürnberg am Freitag.

Die Bauernvertreterin sieht die heimische Agrarpolitik gefordert, den Ausbau der Bio-Landwirtschaft kräftig zu unterstützen. "Es soll und darf gedanklich, gesellschaftlich und politisch keine gläserne Decke geben, bei der Bio ansteht", betonte Grabmann. Man dürfe sich nicht "auf Lorbeeren ausruhen".

Kräftiger Anstieg

Zwischen 2011 und 2015 stagnierte die Anzahl der Biobauern und die Biofläche in Österreich und stieg erstmals im Jahr 2016 wieder merklich. Die Fläche erhöhte sich im vergangenen Jahr um rund 26.500 Hektar auf 571.585 Hektar und die Zahl der Biobauern stieg um mehr als 1.100 auf 21.820. Auch für 2017 erwartet der Bio-Verband einen kräftigen Anstieg.

Für den Grünen Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber ist ein Bio-Flächenanteil von 30 Prozent zu wenig, er fordert eine Erhöhung auf über 50 Prozent bis 2030. Die Politik müsse umgehend einen "ambitionierten österreichischen Bio-Aktionsplan" vorlegen. Dies sei auch mit einer kleinbäuerlichen Struktur und nicht industrialisierter Bio-Landwirtschaft möglich.

"Glas ist halbvoll"

Der Gesamteinkaufswert der biologischen Lebensmittel in Österreich belief sich 2015 – die letzten verfügbaren Daten – auf rund 1,38 Mrd. Euro, darauf entfielen laut AMA Marketing 1,01 Mrd. Euro auf den Lebensmitteleinzelhandel (Bio-Marktanteil von 7 Prozent), 290 Mio. Euro auf Direktvertrieb und Fachhandel (22,5 Prozent) sowie nur 80 Mio. Euro auf die Gastronomie (1,8 Prozent). Für AMA-Marketing-Geschäftsführer Michael Blass sind die Gastronomie und öffentliche Beschaffung sowie Kantinen und Kindergärten ein großer Hoffnungsmarkt für die heimischen Bio-Produzenten. Beim Thema Bio-Eigenmarken versus Bio-Herstellermarken sieht er das "Glas halbvoll". Die Nahrungsmittelproduzenten müssten sich sicherlich in dem Bereich mehr anstrengen. Die schnell wechselnden Hypes im Lebensmittelsektor sieht Blass entspannt: "Bio hat schon viele Modetrends überlebt und wird noch viele Trends überleben."

Der höchste wertmäßige Bio-Anteil im heimischen Lebensmitteleinzelhandel entfiel 2016 auf Eier mit knapp zwanzig Prozent, gefolgt von Milch mit rund 18 Prozent. Bei Erdäpfeln, Frischgemüse, Fruchtjoghurt und Obst ist der Bio-Anteil ebenfalls zweistellig. Butter und Käse liegen mit einem Bio-Anteil von neun Prozent leicht über dem Durchschnitt. Traditionell niedrig ist der Anteil bei Fleisch und Wurst bei vier bzw. 2,6 Prozent, weil die Kosten für die Biobauern dort deutlich über der konventionellen Produktion liegen.

Weltweit lag der Bio-Umsatz laut dem Schweizer Forschungsinstitut (FIBL) im Jahr 2015 bei 81,6 Milliarden Dollar (75 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Im Jahr 2000 beliefen sich die Umsätze auf nur 17,9 Milliarden Dollar. Viele österreichische Bio-Hersteller sind sehr stark im Export vertreten.

Bei der derzeit laufenden Biofach-Messe in Nürnberg – die größte Fachmesse in Europa mit 2.500 Ausstellern und 41.000 Fachbesuchern – sind 86 österreichische Bio-Produzenten vertreten, darunter Sonnentor, Pinzgauer Milch und Bio Getreide Austria. (APA, 17.2.2017)

  • Die Nachfrage nach bio steigt weiter.
    foto: imago/rainer mirau

    Die Nachfrage nach bio steigt weiter.

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    grafik: apa
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