Neue Studie: Warum wir entweder Links- oder Rechtshänder sind

17. Februar 2017, 13:18
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Forscher spüren epigenetische Faktoren auf, die die Genaktivität im Rückenmark bereits im Mutterleib asymmetrisch beeinflussen

Bochum – Warum rechtshändige Menschen in praktisch allen Kulturkreisen die überwiegende Mehrheit bilden, ist bis heute unklar. Ebenso fraglich war, wie diese Händigkeit überhaupt zustande kommt. Bisher ging man davon aus, dass die funktionelle Asymmetrie mit der Genaktivität der rechten bzw. linken Gehirnhälfte in Zusammenhang steht. Eine aktuelle Studie kommt dagegen zu einem anderen Schluss: Ein internationales Forscherteam hält vielmehr das Rückenmark für den wahren Impulsgeber.

Biopsychologen der Ruhr-Universität Bochum um Sebastian Ocklenburg wiesen gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden und Südafrika nach, dass die Genaktivität im Rückenmark bereits im Mutterleib asymmetrisch ist. Eine Präferenz für die linke oder rechte Hand könnte demnach auf diese Asymmetrie zurückzuführen sein. "Die Ergebnisse verändern unser Verständnis über den Ursprung hemisphärischer Asymmetrien fundamental", folgern die Autoren, die ihre Ergebnisse im Fachjournal "eLife" präsentierten.

Präferenz im Mutterleib

Bislang ging man davon aus, dass Unterschiede in der Genaktivität der rechten und linken Gehirnhälfte für die Händigkeit eines Menschen verantwortlich sein könnten. Eine Präferenz für Bewegungen der linken oder rechten Hand bildet sich schon im Mutterleib ab der achten Schwangerschaftswoche aus, wie Ultraschalluntersuchungen der 1980er-Jahre ergaben. Ab der 13. Schwangerschaftswoche nuckeln ungeborene Kinder entweder bevorzugt am rechten oder am linken Daumen.

Arm- oder Handbewegungen werden über den motorischen Cortex im Gehirn initiiert. Er schickt ein entsprechendes Signal an das Rückenmark, das den Befehl in eine Bewegung umsetzt. Die motorische Großhirnrinde ist allerdings nicht von Anfang an mit dem Rückenmark verbunden. Schon bevor sich die Verbindung ausbildet, sind Vorstufen der Händigkeit sichtbar. Daher gehen die Forscher nun davon aus, dass die Ursache für die Rechts-links-Präferenz eher im Rückenmark als im Gehirn liegen müsste.

Umweltfaktoren als mögliche Ursache

Die Wissenschafter analysierten die Genexpression im Rückenmark während der achten bis zwölften Schwangerschaftswoche und fanden in der achten Woche deutliche Rechts-Links-Unterschiede – und zwar in genau den Rückenmarkssegmenten, die Bewegungen der Arme und Beine steuern. Aus anderen Studien ist bekannt, dass ungeborene Kinder bereits zu diesem Zeitpunkt asymmetrische Handbewegungen machen.

Die Forscher spürten auch die Ursache für die asymmetrische Genaktivität auf. Sie scheint in epigenetischen Faktoren zu liegen, die Einflüsse durch die Umwelt widerspiegeln. Diese Einflüsse können etwa dazu führen, dass Enzyme Methylgruppen an die DNA anheften, und so dafür sorgen, dass Gene vermindert abgelesen werden. Da dies in unterschiedlichem Ausmaß im linken und rechten Rückenmark passiert, sind die Gene auf beiden Seiten unterschiedlich stark aktiv. (red, 17.2.2017)

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