Opel soll nach Verkauf an Peugeot "Galgenfrist" bekommen

17. Februar 2017, 12:55
23 Postings

Laut einem Medienbericht soll die Marke als solche erhalten bleiben, Peugeot will bei Opel "zunächst" auf Kontinuität setzen

Hamburg/Rüsselsheim/Paris – Opel kann einem Medienbericht zufolge darauf hoffen, nach einem Verkauf an Peugeot vorerst eigenständig zu bleiben. Das habe die Chefin des Opel-Mutterkonzerns General Motors, Mary Barra, am Mittwoch zugesagt, berichtete das "Manager-Magazin" am Freitag unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Demzufolge soll Barra erklärt haben, Peugeot-Chef Carlos Tavares wolle zunächst auf Kontinuität setzen. Der amtierende Opel-Vorstand solle im Amt bleiben. Das gelte auch für den aktuellen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. Opel äußerte sich nicht.

Laut dem Bericht ist ein Verkauf der deutschen Tochter das klare Ziel der Gespräche von GM mit PSA Peugeot Citroën. Für die Franzosen sei dagegen auch eine Vertiefung der seit 2012 bestehenden Kooperation der Marken vorstellbar. GM-Chefin Barra soll PSA unter anderem angeboten haben, die Elektroplattform des amerikanischen Konzerns gegen eine Lizenzgebühr in Europa zu nutzen. Opel-Chef Neumann will die Marke dem Magazin zufolge bis 2030 in einen reinen Anbieter von Elektroautos umwandeln. Dieses Szenario sei auch für die PSA-Führung denkbar. GM bringt gerade mit dem Chevrolet Bolt und dem Opel Ampera e zwei Elektroautos auf den Markt, die eine Reichweite von 500 Kilometern haben sollen.

Positive Signale

Am Dienstag war bekanntgeworden, dass der US-Konzern General Motors sich von seiner europäischen Tochter Opel und deren britischen Schwester Vauxhall trennen und beide Marken an die Franzosen abtreten will. Am Donnerstag waren auf deutscher Seite Hoffnungen geäußert worden, Opel könne von tiefen Einschnitten verschont bleiben. Es gebe durchaus Signale, dass durch die Übernahme keine Standorte in Deutschland geschlossen werden müssten, hatte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer gesagt. Sie bezog sich damit nach Angaben der deutschen Landesregierung auf eine Telefonkonferenz von Vertretern der Bundesländer mit Opel-Standorten, der deutschen Bundesregierung und Arbeitnehmervertretern mit dem Vorstand des Rüsselsheimer Autobauers.

Es ist jedoch fraglich, welchen Stellenwert Zusagen von GM vor einem Verkauf von Opel an Peugeot haben, zumal sich der US-Konzern mit der Transaktion aus seinem verlustreichen Europageschäft zurückziehen will. Werksschließungen und Stellenabbau dürften danach Sache des neuen Eigners PSA Peugeot Citroen sein.

Opel und Peugeot konkurrieren mit ihren Klein- und Mittelklassewagen um die gleiche Kundschaft. Deshalb wird erwartet, dass Peugeot nach einer Übergangszeit die Kapazitäten verringern wird, um die Kosten zu senken. Arbeitnehmervertreter befürchten, dass vor allem Opel-Werke davon betroffen sein werden. Am Freitag wollte der Betriebsrat die Belegschaften aller drei Opel-Standorte in Deutschland über die Verhandlungen mit Peugeot informieren.

Betriebsrat nennt Bedingungen

Unterdessen pochen der Betriebsrat von Opel und die IG Metall bei einem möglichen Verkauf des Rüsselsheimer Unternehmens an Peugeot auf die Einhaltung der ihnen gemachten Beschäftigungszusagen. Die europäischen Arbeitnehmervertretungen seien bereit, mit dem französischen PSA-Konzern "konstruktive Gespräche" zu führen.

Entscheidend sei, dass die von der Konzernmutter General Motors bei der letzten Opel-Sanierung vor einigen Jahren gemachten Beschäftigungs- und Investitionszusagen eingehalten würden. "Wir erwarten, dass alle Tarifverträge im Falle eines Kaufs ihre Gültigkeit behalten, dass alle Standorte und Arbeitsplätze gesichert bleiben", betonte der Chef des IG-Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, am Freitag an die Adresse von Peugeot.

In einer gemeinsamen Erklärung der Gewerkschaft und des Opel-Betriebsrats hieß es zudem, die Arbeitnehmervertretungen sähen in einem Zusammenschluss mit dem französischen Autobauer auch Chancen." Wir werden die Gespräche mit PSA im Falle eines Verkaufs offen und konstruktiv führen und schnellstmöglich zu einem Ergebnis bringen", sagte Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. (APA/Reuters, 17.2.2017)

Share if you care.