Korruptionsprozess: Spaniens Infantin Cristina freigesprochen

17. Februar 2017, 15:49
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Geldstrafe in Höhe von 262.000 Euro – Schuldspruch für Ehemann Urdangarin

Die Schwester des spanischen Königs Felipe VI., Infantin Cristina von Borbón und Griechenland, wurde im Verfahren um die Machenschaften ihres Gatten Iñaki Urdangarin von der Anklage der Beihilfe zum Steuerbetrug freigesprochen. Urdangarin wurde zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Das Gericht in Palma de Mallorca befand den ehemaligen Handballprofi der Veruntreuung von Steuergeldern, des Betrugs, der Geldwäsche, der Urkundenfälschung und illegaler Einflussnahme für schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte für ihn 19 Jahre und sechs Monate Haft gefordert. Infantin Cristina muss eine Entschädigung von 265.088 Euro zahlen. Das ist weniger als die Hälfte der Summe, die die Staatsanwaltschaft in ihrem Fall gefordert hatte. Es war das erste Mal in der Geschichte des Landes, dass eine direkte Verwandte des spanischen Königs vor Gericht gestanden ist.

Insgesamt soll Urdangarin mithilfe seines Unternehmens Institut Nóos mehr als sechs Millionen Euro von Regional- und Lokalverwaltungen für die Vorbereitung verschiedener Events kassiert haben, ohne dafür die entsprechenden Gegenleistungen zu erbringen. Konservative Regionalregierungen und Stadtverwaltungen spielten bereitwillig mit, schließlich handelte es sich um den Schwiegersohn des damaligen Königs Juan Carlos.

Breites Scheinfirmennetz

Das Institut Nóos war als gemeinnützig eingetragen. Es sollte den Sport fördern. Über ein breites Netz an Scheinfirmen im Ausland wuschen Urdangarin und sein Partner Diego Torres schließlich Millionenbeträge und lenkten sie aus Privatkonten um. Das Paar Urdangarin/Borbón bediente sich dabei einer weiteren Firma mit dem Namen Aizoon. Diese gehörte jeweils zur Hälfte den beiden Eheleuten. Die Infantin Cristina, die mit im Nóos-Vorstand saß, will von den illegalen Machenschaften nichts gewusst haben. Die Richter glaubten ihr.

Insgesamt standen 17 Beschuldigte vor Gericht, sechs von ihnen wurden verurteilt. Unter ihnen befindet sich der ehemalige konservative Regierungschef der Balearischen Inseln Jaume Matas, der zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde. Matas, der von Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy immer wieder als vorbildlicher Politiker gelobt wurde, war einer derer, die Nóos für nicht getane Aufträge breitwillig bezahlten.

Was viele Prozessbeobachter verwundert, ist das Urteil gegen Urdangarins Teilhaber am Institut Nóos, Diego Torres. Gegen ihn fiel das Urteil deutlich höher aus als gegen Urdangarin selbst. Und das, obwohl die Staatsanwaltschaft für ihn ein Jahr weniger gefordert hatte als für seinen Partner aus königlichem Hause. Torres muss für acht Jahre und sechs Monate hinter Gitter. Seine Ehefrau Ana María Tejeiro wurde wie die Infantin vom Vorwurf des Steuerbetrugs freigesprochen. Ihre Entschädigungszahlung fällt jedoch um 80.000 Euro höher aus als die von Cristina von Borbón.

König Felipe VI. hatte seiner Schwester im Juni 2015 den Titel Herzogin von Palma de Mallorca aberkannt. Offiziell wurde das nie kommentiert. Es wird aber vermutet, dass der Entzug im Zusammenhang mit dem Prozess stand. Der König befand sich zum Zeitpunkt der Urteilsverkündung auf einem Museumsbesuch in Madrid. Er wurde vor der Presse abgeschirmt. Ein Sprecher erklärte nur kurz: "Absoluter Respekt vor der Unabhängigkeit der Justiz." (Reiner Wandler aus Madrid, 17.2.2017)

  • Infantin Cristina und Iñaki Urdangarin warten auf ihr Urteil.
    foto: apa/afp/reina

    Infantin Cristina und Iñaki Urdangarin warten auf ihr Urteil.

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