Interview mit Lederjacke

Kolumne16. Februar 2017, 20:05
2 Postings

Gestern war an dieser Stelle schon die Rede von Interviews mit den Athleten in der Mixed Zone des Zielraums. Und davon, dass die schreibenden Journalisten immer am längsten in der Kälte ausharren müssen. Nein, ich will kein Mitleid. Schließlich wartet man da draußen nicht umsonst, sondern auf die Stars des Skisports. Marcel Hirscher, Lindsey Vonn, Anna Veith – da harrt man doch gerne in der Kälte aus. Und weil man, gerade für Stars dieser Kategorie, nicht allein ausharrt, ist das Aufnahmegerät – meistens in Form eines Handys – ein hilfreicher Partner. Vor allem dann, wenn zwischen dem Interviewten und der Journalistin noch eine Reihe anderer Journalisten steht.

Manchmal, wenn vielleicht auch noch im Hintergrund – eigentlich eher im Vordergrund – Musik gespielt wird oder der Zielraumsprecher etwas zu sagen hat, kann es vorkommen, dass man den Interviewten nicht einmal hört. Also bleibt nur eines, das Handy so nah wie möglich an den Athleten beziehungsweise die Athletin heranzuhalten und darauf zu hoffen, dass der Arm nicht einschläft und dass auf Band mehr zu hören ist als live. Meistens geht der Plan auf. Seltsam ist nur, dass die abgespeicherten Aufnahmen dann nicht von Hirscher, Vonn oder Veith stammen, sondern von Hirschen, Bonn und Beute.

Auf selbem Handy finden sich auch Aufnahmen von Geller, Genier, Schleyer, Reichert oder Kirche. Der Rechtschreibkorrektor ist ein Skibanause, aber dafür ein lustiger Kompagnon. Dass ich jemals ein Interview mit einer Lederjacke, das noch dazu 24:20 Minuten lang ist, machen würde, hätte ich mir nämlich wirklich nie vorstellen können. Birgit Riezinger *Aus Ester Ledecka wurde Lederjacke. (Birgit Riezinger, 16.2.2017)

  • David Hasselhoff (re.) ist nicht bei der Ski-WM, hat aber auch eine Lederjacke.
    foto: reuters/lucy nicholson

    David Hasselhoff (re.) ist nicht bei der Ski-WM, hat aber auch eine Lederjacke.

    Share if you care.